Feedback ist mehr als ein Wurstbrot

Warum ein Feedbackburger besser schmeckt

 

Unser Arbeitsalltag ist oft von hohem Stress und Druck gekennzeichnet. Abstimmungen sind aufgrund steigender Arbeitsverdichtung und einem hohen Anteil von Teamwork notwendiger als je zuvor. Aber wie kommuniziere ich meine Erwartungen in der Zusammenarbeit an meine Kollegen? Das Mittel der Wahl: Feedback.

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Feedback ist dabei mehr als eine Methode, mehr als ein reines Kommunikationsmittel. Feedback ist eine Chance, ein Werkzeug, schneller und effektiver Ziele zu erreichen. Besonders wenn Menschen in Teams zusammenarbeiten ist ein hohes Maß an Transparenz auf der fachlichen und auf der Beziehungsseite erforderlich. Feedback ist ein (Lern-)Prozess: Es geht über das Kennen zum Können bis hin zur tatsächlichen Anwendung und Weitergabe im Unternehmen. Feedback braucht Zeit, Übung und professionelle Unterstützung, um sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen. Um vom Kennen (Was ist Feedback? Welche Theorien und Methoden gibt es?) hin zum Können (tatsächliches Anwenden) zu gelangen, müssen alle Beteiligten im Unternehmen Sinn und Nutzen regelmäßigen Feedbacks verstehen, und vor allem auch akzeptieren. Beim Feedback geht es um ein besseres Miteinander, um eine bessere Zusammenarbeit, von der jeder Einzelne letztlich profitiert. Es geht nicht um richtig oder falsch, schuldig oder nicht schuldig. Es geht vielmehr darum, unterschiedliche Wirklichkeiten (Meinungen) zu akzeptieren, und – was erst einmal vielleicht ein ungewöhnlicher Gedanke ist – diese zu nutzen, indem man die Unterschiede arbeiten lässt. Alle Wirklichkeiten sind „gleich gültig“ (zwei Wörter!), wenn auch nicht immer „gleich wünschenswert“. Feedback zu geben oder zu nehmen ist also keine leichte Angelegenheit.

Feedbackburger – nicht das „Was“ entscheidet, sondern das „Wie“

Feedback kann wehtun, peinlich sein oder auch Abwehr auslösen. Niemand wird gerne in seinem Selbstbild korrigiert. Haben Sie sich also entschieden, im Rahmen Ihres Unternehmens oder auch im Privaten, Feedback zu geben, sollten sowohl die Feedbackgeber als auch die Feedbacknehmer gewisse Regeln und Methoden kennen und anwenden können. Hier gibt es ein schönes, bekanntes Modell: den Feedbackburger. Die Feedbackburger - Methode, die wir auch bei VEDA einsetzen, ermöglicht es, klare Worte und direktes Feedback auszusprechen, ohne die Wertschätzung des Gegenübers zu verlieren. Das Feedbackgespräch wird mit positiven Worten begonnen, erst danach folgen sachliche Kritik und Anregung zur Veränderung. Den Abschluss bilden dann wieder positive Worte. Die Kritik wird also durch positive Inhalte eingerahmt.

Warum ist das so wichtig? Oftmals ist es so, dass Feedback gegeben wird, weil einen selbst etwas stört: Die Türe wird zu fest geknallt, das Fenster ist zu lange geöffnet (es ist kalt), der Kollege isst permanent Rohkost, während Sie versuchen sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Was Sie bewirken wollen ist eine Verhaltensänderung des Gegenübers. Diese zu erreichen ist schwer genug. Welchen Antrieb sollte Ihr Gegenüber haben, sein Verhalten für Sie zu ändern, das Fenster z.B. nicht nur nach seinem Wohlbefinden zu öffnen? Ihre Bitte ist vermutlich das Einzige, was Ihr Gegenüber zu einer Verhaltensänderung motivieren kann. Deswegen: Sprechen Sie klare Worte, wählen Sie direktes Feedback. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Aber verpacken Sie das Feedback so, dass sich der andere nicht direkt dagegen (ver)wehrt und in eine Verteidigungshaltung verfällt. Eine mögliche Abwehrreaktionen könnte sein: „Wenn Ihnen kalt ist, müssen Sie sich eben wärmer anziehen“. Die Kernaussage des Feedbackburgers ist, dass der kritische oder sachliche Teil zwischen positiven Aspekten verpackt ist. Es geht nicht darum ein Verhalten zu beschönigen. Defizite und Kritik müssen und sollen geäußert werden. Es geht rein um die Verpackung. Denn vergessen Sie nicht „Sie wollen etwas – nicht Ihr Gegenüber“. Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel „Stufe für Stufe zum Transfer“

Feedbackburger – totaler Bullshit?

Eine konträre Ansichtzur Feedbackburger-Methode vertritt Jochen Mai. Er bezeichnet die Vorgehensweise in seinem Artikel als Masche, Manipulation und Entwertung des Gegenübers, weil sie unauthentisch sei. In einem Punkt gebe ich ihm recht: Das Vorgehen der Feedbackburger-Methode darf nur authentisch angewendet werden. Auch das muss gelernt sein. Die positiven Worte zu Beginn oder zum Abschluss eines Feedbacks müssen ernst gemeint sein. Sie dienen zwar als „Verpackungsmaterial“, sollten jedoch nicht nur als solches gesehen werden. Sie geben die Möglichkeit, einen ehrlich gemeinten guten Einstieg und ein ehrlich gemeintes gutes Ende zu finden, und die kritischen Sachverhalte klar und deutlich zu formulieren. Der Feedbackburger ist eine flexible Methode und keinesfalls als starres Korsett zu betrachten. Manchmal gibt es eben nur ein „Brötchen“. Und das ist auch in Ordnung. Lob sollte unabhängig von kritischen Punkten gegeben werden. Bei der Feedbackburger - Methode geht es darum, kritische Sachverhalte gut zu verpacken und nicht Lob, durch Kritik, in zwei Teile zu trennen. Lob kann und sollte einfach nur Lob sein. Es reicht also oftmals ein „Brötchen“. Ohne Fleisch und Salat. Habe ich jedoch Fleisch und Salat, sollte ich es in ein Brötchen packen. Und auch hier gibt es Ausnahmen. Finden Sie wirklich nichts authentisch Positives – dann ist das so – und als Ausnahme auch tragbar. Wie essen Sie Ihren (Feedback-)Burger am liebsten?