Generation Hipster - Me Myself and I

Millennials sind faul, egoistisch und anspruchsvoll

 

Immer und immer wieder liest man Artikel über die Generation Y, stolpert über Workshops und Seminare, die zum Thema angeboten werden, sieht Präsentationen dazu. Aber Y bzw. why? Zum einen verwundert es, dass das Thema nicht schon ausreichend beleuchtet ist, und zum anderen fragt man sich, ob nicht längst über die Generation Z, also die Folgegeneration, gesprochen werden sollte. Auch ich habe z.B. hier über das Thema geschrieben und bin mit diesem Artikel „Wiederholungstäter“. Auch mich lässt das Thema nicht los. Denn es ärgert mich zuweilen, was und in welcher Weise über „meine“ Generation geschrieben wird.

 

Zunächst einmal: Die Generation Y existiert in meinen Augen nicht. Warum?

 

Bildquelle: nenetus Fotolia

  1.     Das Generationen-Cluster ist sehr zu weit gefasst. Das liegt in der Natur der Sache, macht es aber nicht unbedingt einfacher die Generation Y differenziert zu betrachten. Während ich gerade noch dazu gehöre, mein Studium gefühlt vor Jahrzehnten abgeschlossen habe, längst in der Arbeitswelt angekommen bin,  stecken andere Vertreter „meiner“ Generation noch im Studium. Und sie quälen sich dabei nicht mit langsamen und quietschenden Modem-Internetverbindungen, oder physischen Karteikartensystemen in Uni-Bibliotheken, die ich noch aus Studientagen kenne. Sie besaßen schon immer ein Smartphone (während ich mein erstes Handy (!) mit 18 geschenkt bekam) und sind tatsächlich mit dem Internet aufgewachsen.
  2.     Die für die Generation Y gebrauchten Stereotype treffen nur auf einen sehr begrenzten Teil der Millennials zu. Mit Generalisierungen im Allgemeinen tue ich mich schwer, gleiches gilt insbesondere für die Generalisierung einer Gruppe von Menschen. Das, was über die Generation Y geschrieben wird, bezieht sich meist nur auf einen kleinen Teil der Millennials. Auf diejenigen, die gut behütet aufgewachsen sind, einen Hochschulabschluss haben und sich ein gewisses „Luxus“- und Anspruchsdenken überhaupt leisten können. Kerstin Bund zufolge ist das etwa ein Viertel der 20- bis Anfang 30-jährigen, wie sie in einem Artikel für die ZEIT darlegt. Die ZEIT-Redakteurin und Autorin des Buches „Glück schlägt Geld – Generation Y: Was wir wirklich wollen" zieht zudem den Vergleich zu den 68ern. Richtig so. Denn auch sie stehen für eine ganze Generation, machen aber nur einen Bruchteil selbiger aus.

Dennoch möchte ich ein paar Eigenschaften, die "uns" zugewiesen werden einmal beleuchten:  

    „Die Generation Y legt keinen Wert auf Geld und Macht"

Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, den extrinsische Faktoren kalt lassen. Es ist auch ein Widerspruch in sich: Warum sollte eine Generation, der ein hohes Anspruchsdenken nachgesagt wird, in materiellen Dingen so anspruchslos sein? Was dies anbelangt, tickt die Generation Y nicht anders als andere Generationen: „Statussymbole“ wie Dienstwagen sind nicht alles, aber das Gesamtpaket muss stimmen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen Arbeitgeber High Potentials schon etwas bieten, denn einen Wettbewerber, der das bessere Paket anbietet, gibt es immer. Eine Generation, die hohe Bildungsabschlüsse erreicht hat, viel Zeit, Schweiß & Fleiß in ihre Bildung investiert hat, möchte auch die Früchte ernten. Und strebt womöglich Führungspositionen an, möchte Verantwortung übernehmen. Natürlich haben nicht alle Millennials diesen Anspruch, und zweifelsohne hat auch nur ein gewisser Anteil der vorausgehenden Generationen diesen Anspruch erhoben. Aber: Sicherlich gibt es einige, die in Familien aufgewachsen sind, in denen speziell der Vater kaum existent war, nur für seine Arbeit gelebt hat und womöglich Burnout- oder Herzinfarkt-gefährdet war. Vielleicht ergibt sich daraus, dass es für einige Millennials weniger erstrebenswert ist, diesem Beispiel nachzueifern. Vielleicht hat die Elterngeneration bewusst oder unbewusst vermittelt, dass es andere Werte im Leben gibt, als für den Job das Familienleben zu opfern. Früher Feierabend, mehr Zeit für die Familie, und andere Lebensmodelle mit flexibleren Arbeitszeiten sind also für diesen Teil der Generation ein Ideal. Nichts desto trotz bin ich sicher, dass das Gehalt, das Gesamtpaket, extrinsische Faktoren also, für alle eine Rolle spielen. Mal zugunsten von mehr Flexibilität, mal zugunsten eines höheren Gehalts oder anderer „Statussymbole“.  

    "Die Generation Y hinterfragt alles, nur nicht sich selbst“

Sind die Millenials dann an Bord zählen natürlich intrinsische Faktoren. Dann kommt es tatsächlich auf die Unternehmenskultur an: Bietet der Arbeitgeber genügend Spielraum, um den Arbeitsplatz selbst zu gestalten? Wird der Arbeitnehmer tatsächlich gefordert und gefördert? Stimmt die Kommunikation? Hier kommt das vermeintlich Neue ins Spiel: Die Generation Y ist selbstbewusst genug, um eine offene Kommunikation zu fordern. Feedback einzufordern und Bekanntes in Frage zu stellen. Die Millennials haben von ihren Eltern viel Aufmerksamkeit und Mitspracherecht erhalten. Und das erwarten sie nun auch im Arbeitsleben: kontinuierliches Feedback und Mitbestimmung. Vielleicht mag diese Tatsache für manchen Babyboomer neu sein. In starren, hierarchischen Unternehmenskulturen werden Autoritäten wenig in Frage gestellt. Aber in einer neuen Leistungsgesellschaft, in der weniger zählt, wer man ist, als das, was man leistet, wird mehr hinterfragt. Das Senioritätsprinzip wird abgelehnt. Recht hat, wer seine Meinung, seine Ausführung sachlich begründen kann. Dies ist auch eine Folge der Kommunikation in Sozialen Netzwerken. Heute kann jeder alles publizieren und kommentieren. Feedback ist ein Teil unserer Gesellschaft geworden. Der selbstverständliche Umgang und die resultierende Feedbackkultur ist aber keineswegs ein exklusives Merkmal unserer Generation, einzig weil wir damit aufgewachsen sind. Denn auch hier gilt: Die älteren Generationen sind genauso heterogen wie unsere Generation. Es gilt also offenes Denken zu fördern. Nur wer Mitarbeiter hat, die kritisch hinterfragen, Feedback gibt und Feedback annimmt, fördert Raum für Innovationen. Starre, hierarchisch organisierte Unternehmen werden in Zukunft im Wettbewerb um innovative  Unternehmen stehen, die im Sinne einer offenen Kommunikation  - online, wie offline – Raum für Veränderung und Flexibilität bieten.  

    „Die Generation Y ist faul und egoistisch“

Bei einem Teil der GenY’ler haben sich Prioritäten verschoben. Wie oben beschrieben ist der Job nicht mehr das alleinige sinnstiftende Merkmal. Millennials wird oft nachgesagt, dass sie alles wollen: Erfolgreich im Job sein, in der Kindererziehung, und mehr Freizeit, mehr Zeit für Hobbies haben möchten. Im Kern geht es aber nicht darum, weniger zu arbeiten, weniger zu leisten. Nur eben anders. Klassische Familien- und Arbeits(zeit)-Modelle werden in Frage gestellt. Auch Väter fordern vermehrt ein Recht auf flexiblere Arbeitsmodelle, um die Entwicklung ihrer Kinder aktiver mitzuerleben und zu gestalten. Bringen die Väter sich mehr ein, ermöglicht dies Müttern wiederum sich stärker auf ihre Karriere konzentrieren zu können. Auf diese Entwicklung reagierte zuletzt z.B. auch die DIHK mit ihrem Vorschlag der 35-Stunden-Woche pro Elternteil. In Summe ergibt dies 70 Stunden Wochenarbeitszeit – also mehr als in einem klassischen Modell mit einer Voll- und einer Teilzeit-Stelle. Ob jedoch der Großteil der Millennials tatsächlich solche neuen Modelle anstrebt, oder es sich hier eben wiederum nur um einen kleinen Teil dieser großen Gruppe handelt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall erfordern solche neuen Modelle eine gute Organisation auf beiden Seiten: Sowohl bei den Eltern, als auch seitens der Unternehmen. Eine grundsätzliche Offenheit in diesem Punkt sollten Unternehmen jedenfalls an den Tag bringen. Schließlich werden sie in Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels nicht auf gut ausgebildete Frauen verzichten können. Nur wenn selbstbestimmtes und flexibles Arbeiten, mit allen Optionen, tatsächlich angeboten wird – ohne wenn und aber – können neue Modelle sich durchsetzen.

Der kleinste gemeinsame Nenner

Die Liste der „Vorurteile“ ließe sich beliebig fortführen. Sicherlich lassen sich einige Charakteristika bestätigen, andere widerlegen. Und das immer bezogen auf jeweils einzelne Teile innerhalb der Kohorte. Und immer abhängig von soziodemografischen Faktoren wie Geschlecht, Bildungsgrad, Fachrichtung, regionaler Herkunft und Familienstand. Bei der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, den Charakteristika also, die am ehesten auf einen Großteil der 20- bis Mitte 30-jährigen zutrifft, sind es wohl folgende:  Die Millennials gehen mit Technik und Sozialen Medien selbstverständlich um. Sie sind im Mittel sehr gut ausgebildet und in einer globalisierten Welt groß geworden, die vernetztes Denken fast zur Selbstverständlichkeit macht. Es gibt viele Bezeichnungen für die Generation Y. Von der Generation Unhappy über die Generation Pippi - wir machen uns die Welt widdewidde wie sie uns gefällt - bis hin zur Generation Ich-ich-ich ist alles drin. Also, suchen Sie sich etwas aus. Aber machen Sie etwas draus. Betrachten Sie die Generation Y differenziert, aber bringen Sie den kleinsten gemeinsamen Nenner – etwa das vernetzte, globale Denken, den hohen Bildungsgrad und den selbstverständlichen Umgang mit Technik – gewinnbringend für ihr Unternehmen ein. Eine offene, auf Feedback basierende Unternehmenskultur, die bereit ist für neue Arbeitsmodelle, kann nur zum Vorteil aller sein, und wird sowohl im Wettbewerb um Talente als auch in der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmens insgesamt essenziell sein, um in Zukunft zu bestehen.

Und - wie sind sie nun die Millennials? Was meinen Sie?