Sprechen wir doch miteinander! Was bewegt uns wirklich?

Die Generation Wirtschaftswunder stellt sich den Fragen der Generation Y

 

Es gibt so viele Statements und Behauptungen zum Thema „Generationen“. Beim Versuch mir einen ordentlichen Überblick zu verschaffen, habe ich recht schnell aufgegeben. Zu deckungsgleich und doch zu kontrovers erscheinen mir die Meinungsbilder über die verschiedenen Generationen. Und ein Freund von Vorurteilen war ich sowieso noch nie. Was fangen wir mit den Annahmen und Aussagen über Generation Y & X, Babyboomer an?

Bildquellen: VEDA GmbH

Wie sollen sie uns in unserem Umgang miteinander unterstützen? Können sie mir im Arbeitsalltag vielleicht sogar helfen mit meinen Kollegen besser umzugehen? Diese Fragen gehen mir meist durch den Kopf, wenn ich wieder einmal Zeilen wie „Babyboomer sind die Machtgeilen“ und „Generation Y sind die Werteorientierten“ lese. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin. Oder vielleicht doch?

Um herauszufinden, ob diesen Kategorisierungen etwas abzugewinnen ist und sie vielleicht doch hervorragend die Empfindungen und Handlungen der jeweiligen Altersgruppen widerspiegeln, habe ich einen Versuch gestartet. Gut, um ehrlich zu sein, war es mein Ziel die Theorien und „Vorurteile“ zu widerlegen. Aus diesem Grund habe ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit meinem Kollegen Leonhard Bläser geführt.

Ein Austausch zwischen der Generation Y und der so genannten Wirtschaftswundergeneration

Julia Janßen: Leo, warum hältst du es eigentlich schon so lange hier aus? (Leo Bläser, Eintritt bei VEDA im September 1981)

Leo Bläser: (lacht) Zusammengefasst ist es sicherlich das interessante Themengebiet und die dazugehörigen Aufgaben. Zwei mal habe ich aber über einen Wechsel nachgedacht: Einmal im Jahr 1990. Dann kam jedoch die Wiedervereinigung und somit die Chancen und neue Möglichkeiten für VEDA in Ostdeutschland. Da habe ich gedacht: Den Aufbruch muss ich unbedingt miterleben und bin geblieben. Die nächsten Gedanken über einen Wechsel machte ich mir rund um das Jahr 2000. Doch die Jahrtausend-Wende und die Euro-Umstellung würden vor allem in der Lohn- und Gehaltsabrechnung so viele spannende Herausforderungen mit sich bringen, dass ich diese Ereignisse wieder bei VEDA miterleben wollte und blieb.

Julia Janßen: War es nach dem Studium schwer für dich einen Job zu finden? Und wenn ja, gibst du ihn deswegen nicht mehr her?

Leo Bläser: Nein, besonders schwer war es nicht. Das Studienfach Informatik wurde in Aachen erst im zweiten Jahr angeboten. Die Firmen rissen sich quasi um uns Absolventen. Zwei meiner ehemaligen Studienkollegen waren bereits bei VEDA und haben mich immer wieder „bearbeitet“, von der Arbeit hier geschwärmt und haben mich quasi „mit Gewalt“ hergeholt.“ (schmunzelt) „Ich hatte mir eigentlich vorgenommen während meiner beruflichen Laufbahn viele verschiedene Dinge auszuprobieren. Aber meine Studienfreunde vermuteten von Beginn an, dass ich ewig im Lohnbereich bleiben werde, wenn ich einmal damit starte. Wie recht sie hatten…

Julia Janßen: Ich verlasse die Firma fast immer vor dir. Hast du keine Hobbies?

Leo Bläser: (lacht) Ja, findest du? In letzter Zeit war ich doch immer ziemlich früh weg. Aber du hast schon Recht. Meine Arbeit ist einfach sehr projektbezogen und wenn etwas für den Kunden fertiggestellt werden muss, oder die Lösung zu einem Problem dringend gefunden werden muss, dann kann das auch schon mal länger dauern als 18 Uhr. Früher war es seltener vor 18 Uhr die Firma zu verlassen. Da gab es mehr „Workaholics“, auch weil wir bei VEDA einfach zu wenige Personen für das gesamte Arbeitsaufkommen waren. Und wir haben mehr „Pionier-Arbeit“ vollbracht. Heute sind wir deutlich mehr Mitarbeiter und können die Arbeit besser aufteilen. Das ist gut. Denn ich habe natürlich auch Hobbies und Dinge, denen ich mich in meiner Freizeit leidenschaftlich gerne widme, wie z.B. Wandern, Lesen oder Gartenarbeit.

Julia Janßen: Bist du eher der Typ „Heimweh“ oder „Fernweh“?

Leo Bläser: Definitiv Fernweh! Meine Kinder und meine Frau sind schon so weit rumgekommen, da bin ich schon ein bisschen neidisch. Aber auch was die Arbeit betrifft bin ich am liebsten unterwegs. 4 Tage beim Kunden und 1 Tag im Büro, das sind meine Lieblingswochen. Früher als meine Kinder noch klein waren, war das anders, da wollte ich auch in der Woche viel Zeit zuhause verbringen. Die Zeit mit meinen Kindern war mir sehr wichtig.

Julia Janßen: Hättest du dir vorstellen können in Elternzeit zu gehen?

Leo Bläser: Das war damals leider nicht möglich. Bei meiner Frau und mir war das Einkommenslevel zu verschieden, sodass wir unseren Lebensstandard sonst nicht so weiter hätten finanzieren können. Ich habe jedoch oft bedauert, dass ich einige Dinge durch meine Abwesenheit verpasst habe. Ich finde es klasse, dass heutzutage mehr Möglichkeiten geschaffen werden, sodass junge Leute sich die Erziehung der Kinder teilen können. Heute haben Paare ja relativ oft gleiche Gehälter und können die Elternzeit anders gestalten als wir früher. Das finde ich gut. Ich würde es heute auch anders machen.

Julia Janßen: Wie wichtig ist es dir, dich in deinem Leben selbst zu verwirklichen?

Leo Bläser: In meinem Leben habe ich von Zeit zu Zeit immer wieder andere Schwerpunkte gesetzt. Nach meinem Studium war die Arbeit quasi der Mittelpunkt in meinem Alltag. Vor allem, weil ich die Arbeit nicht als notwendiges Übel sehe, sondern als Spaß und sinnvollen Zeitvertreib. Als meine Kinder zur Welt kamen, rückte die Familie mehr in den Fokus. Ich habe immer versucht Kompromisse zu finden, um auf der einen Seite meine Verwirklichung im Job zu finden , aber andererseits auch ein gutes Familienleben führen zu können. Um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, haben meine Frau und ich uns bei den „Nachtwachen“ immer abgewechselt, und als die Mädchen älter wurden, durften sie meist länger aufbleiben als ihre gleichaltrigen Freunde, um Ihren Papa abends noch zu sehen.

Julia Janßen: In meiner Generation (Generation Y) zählt mehr was man leistet als wer man ist. Siehst du das auch so?

Leo Bläser: Früher war es schon so, dass Titel zählten. Wenn du einen Titel hattest, warst du angesehen und wurdest respektiert. Auch wenn nichts dahinter war. Das fand ich nie gut. Was ich schon sagen muss, ist, dass Leute, die studiert haben, in vielen Tätigkeitsbereichen schneller besser zurecht kommen. Doch das liegt sicherlich nicht am Titel, sondern an der Tatsache, dass man im Studium lernt, sich zu organisieren und Problemstellungen Schritt für Schritt zu analysieren und zu bearbeiten.

Julia Janßen: Womit kannst du dich besser identifizieren: Mit einer Feedbackkulturoder einer Kultur nach dem Motto „Nicht gemeckert ist genug gelobt!“?

Leo Bläser: Auf jeden Fall mit Ersterem. Heutzutage wird viel zu wenig gelobt und miteinander vernünftig und offen geredet. Findest du nicht auch? Zu meiner Zeit als Führungskraft habe ich gerne und oft gesagt was mir an der Arbeit meiner Mitarbeiter gefällt und habe auch zurückmeldet bekommen, dass das sehr positiv aufgenommen wird und dass Menschen so etwas brauchen.

Julia Janßen: Meine Generation wird oft provokativ als „Karriereverweigerer“ (Spiegel) oder „Kuschel-Kohorte“ (manager magazin) bezeichnet. Teilst du diese Ansicht?

Leo Bläser: Meine beiden Töchter sind in deinem Alter, gehören also auch zur Generation Y, und beide haben ohne Pause ihre Schule und ihr Studium durchgezogen. Beide haben nebenbei trotzdem ein soziales Leben gehabt und sind viel gereist. Als Karriereverweigerung würde ich diese Laufbahn von daher nicht bezeichnen. Jedoch glaube ich schon, dass heutzutage viele Arbeitnehmer ein geringeres Verantwortungsbewusstsein ihrem Job gegenüber haben. Ich meine damit, dass viele nicht alles tun oder möglichst wenig tun, aber trotzdem alles haben möchten. Diese Entwicklung ist auffällig und ich schätze, dass es solch eine Einstellung früher weniger gab, weil man sie sich nicht hätte leisten können, im wahrsten Sinne des Wortes. Früher gab es nicht so eine gute soziale Absicherung wie heute. Ohne Job hatte man große Probleme. Allgemein sehe ich das so: Jede Generation hat Stärken und Schwächen. Es kommt darauf an, die Stärken zu nutzen und zu fördern und die Schwächen (z.B. durch Schulungsmaßnahmen) zu beseitigen, um in projektbezogenen Teams erfolgreich zusammen zu arbeiten. Das klappt bei VEDA hervorragend. Im Kleinen. Im Team der Berater geschieht das schon immer dadurch, dass der ältere Berater den jungen Kollegen zum Kunden mitnimmt und vor Ort die anstehenden Aufgaben gemeinsam löst.

Danke für das schöne und offene Gespräch, Leo. Und, sehen Sie folgende Stereotype der Wirtschaftswundergeneration bestätigt?

  •     Einstellung zur Arbeit: idealistisch, Skepsis gegenüber Autoritäten, loyal zum Unternehmen
  •     Motto: Leben, um zu arbeiten
  •     Erste Orientierung zur Freizeit
  •     Sehr hohe Bedeutung von Titeln und Hierarchiestufen
  •     Keine Auszeiten vom Job

Obwohl Stereotype unserer Generationen nicht unterschiedlicher sein können, hätte ich mein Fazit nicht besser beschreiben können als Leo in seinem (vor-) letzten Satz: Jede Generation hat Stärken und Schwächen. Es kommt darauf an die Stärken zu nutzen und zu fördern! Dieser Aufgabe sollte sich jedes Unternehmen stellen, denn nicht nur bei uns wird bald mit Leo ein langjähriger und geschätzter Kollege mit enorm viel Fachwissen das Unternehmen verlassen und in den verdienten Ruhestand gehen. Es ist allgemein bekannt und wird zahlreich thematisiert, dass qualifizierte Mitarbeiter so kostbar werden wie Wasser in der Wüste. Teamarbeit, Mentoring-Programme und ähnliches können helfen Wissen im Unternehmen zu halten und weiter aufzubauen. Mit einem gezielten Kompetenzmanagement können auch Sie sichergehen, dass für „Ihren Leo“ ein adäquater Nachfolger gefunden, oder entwickelt wird. Was meinen Sie? Welcher Generation gehören Sie an und finden Sie sich in Ihrem Cluster wieder? Wie sichern Sie Wissen in Ihrem Unternehmen?