Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie keine Angst hätten?

Und wie lange brauchen Sie dafür?

 

Mitarbeiter, Personaler, Führungskräfte – alle Menschen treffen Entscheidungen. Täglich. Wann stehe ich auf? Was ist mir wichtig in Beruf und Privatleben? Was mache ich zuerst? Welches Smartphone kaufe ich? Wen stelle ich ein?

Entscheiden? Machen wir es wie immer!

Vermutlich machen Sie es wie die meisten von uns, solange keine existentiellen Fragen auftauchen: Man kennt idealerweise seine Ziele, informiert sich, wägt ab, betrachtet Rahmenbedingungen, Kosten und Auswirkungen und entscheidet. Jetzt oder später. Oder man vertraut auf die Qualität in der Vergangenheit getroffener Entscheidungen und entscheidet quasi „wie immer“. Ich hatte die Gelegenheit, genau zu dieser Thematik einen Vortrag von Peter Brandl zu erleben. Die einfache Botschaft des Piloten, Top-100-Speaker und Autors: Entscheiden Sie selbst! Aber entscheiden Sie!

Notlandung auf dem Hudson

Am Beispiel des Airbus 320, der 2009 – exakt 208 Sekunden nach dem Einschlag eines Schwarms Wildgänse in beide Turbinen – auf dem Hudson River in New York notwasserte, zeigte er sehr plastisch, was zur Rettung der 155 Passagiere entscheidend war: Der Pilot „Sully“ Sullenberger traf eine Entscheidung! Natürlich, werden Sie sagen, braucht es dazu Erfahrung, meisterhaftes Können und ausreichend Wasser. Außer Frage. Aber ohne sofortiges Handeln und Delegation an den Tower hätten diese Umstände in den verbleibenden 208 Sekunden nicht genutzt werden können. Zum Glück sind nicht alle Entscheidungen, die wir zu treffen haben, von solch essenzieller Art. Und müssen nicht in der Länge eines AC/DC-Songs getroffen werden. Aber gerade die Betrachtung dieser Extremsituation öffnet den Blick für das Wesentliche: Der Pilot hat Verantwortung für die Situation ergriffen, er hat eine Entscheidung getroffen und Courage bewiesen. „Was können wir jetzt tun?“ „Wo will ich hin?“ „Was könnte schlimmstenfalls geschehen?“ „Was passiert, wenn ich nichts tue?“ werden wohl die sekundenschnellen Fragen gewesen sein. Angst, Unsicherheit und Zweifel wären für jeden von uns nachvollziehbar, aber keine guten, geschweige denn hilfreichen Ratgeber gewesen.

Entscheidungen als Option des Lernens

Ich ertappe mich seitdem immer wieder dabei, mir bei bewussten Entscheidungen obige Frage zu stellen. Dabei geht es nicht um den sportlichen Ehrgeiz der schnellsten, mutigsten oder verrücktesten Entscheidung, sondern diese Art Überlegung eben auch bei neuen Situationen anzustellen. Eine rückblickend falsche Entscheidung ist im Zweifel eine Erfahrung, aus der gelernt werden kann. Keine Entscheidung zu treffen, nimmt per se die Option des Lernens. Nicht der unreflektierten Weitergabe anderer Ideen wegen, wie die von Peter Brandl, sondern weil es in weniger krisenhaften Situationen meine Entscheidungen schon verbessert, zumindest aber beschleunigt hat, sollte jeder prüfen, ob folgende „Mythen“ nicht häufig bremsen: „Perfektionismus hilft bei der Entscheidungsfindung.“ „Es ist möglich, ALLES unter einen Hut zu bringen.“ „Alles kann bzw. muss bleiben, wie es ist.“ Die Beschleunigung von Entscheidungen hilft gerade im Bereich HR. Haben Sie zum Beispiel ein Talent „an der Angel“, sollten Sie schnell entscheiden, damit dieses nicht das Angebot des Wettbewerbs annimmt. Nicht nur im Bereich Recruiting sind schnelle Entscheidungen oft erfolgskritisch. Die Erkenntnisse eines Vortrags, wie des zitierten, werden nur bedingt Ihre wie meine eigene Art zu entscheiden, grundlegend verändern. Entscheiden werden Sie und ich weiterhin tagtäglich. Vermeintlich mehr und weniger Wichtiges. Entscheidungen machen immer einige Dinge möglich, während im selben Atemzug andere Dinge unmöglich werden. So auch die Entscheidung, sich selbst und die eigene Art der Entscheidungsfindung mal zu reflektieren. Oder mal einen querdenkenden Vortrag zu besuchen. Haben Sie entschieden, bis hier durchzuhalten? Nutzen Sie gerne die verbleibenden 60 Sekunden dieser guten Entscheidung, mir hier Ihre Meinung zum Thema zu spiegeln!