Demokratisierung des Unternehmens: Ein Denkfehler

Rechenschieber

„Tschüss Diktatoren!“ „Demokratische Strukturen entern die Unternehmen!“ „Mitarbeiter dürfen jetzt mitreden!“ „Arbeitnehmer wählen ihre Chefs selbst!“ und so weiter. Demokratie ist „in“ und im Prinzip sind alle diese Themen in der heutigen Zeit genau richtig und notwendig. Die Welt und damit auch die Arbeitswelt verändern sich rasant und fordern von uns ein Umdenken in Bezug auf die Arbeitsweise.

Aber ein Umdenken bedeutet für mich nicht zwangsweise, dass Unternehmen demokratisiert werden müssen. Instinktiv schlage ich beim Wort „Demokratie“ die Hände über dem Kopf zusammen und sehe das Unheil auf die Unternehmen zukommen. Ich frage mich: Wer bitte soll denn dann Entscheidungen treffen? Wenn das keiner mehr tut, endet alles in endlosen Diskussionen und Chaos.

Ich behaupte sogar, die Demokratisierung der Arbeitswelt ist der Tod eines jeden Unternehmens.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten wir uns den Begriff „Demokratie“ näher ansehen.

Dr. Gerhard Wohland und Matthias Wiemeyer beschreiben in ihrem Buch “Denkwerkzeuge der Höchstleister“ die Demokratie wie folgt:

„In einer Demokratie gilt, was die Mehrheit beschlossen hat. Die Minderheit muss sich fügen. Kurz: Es ist die Diktatur der Mehrheit.“ 

Demokratie ist eine Struktur, um das politische System der modernen Gesellschaft stabil zu halten. Was dieses System (per definitionem) verhindert, sind Innovationen, und zwar sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft. Fortschritt ist aber für Unternehmen essenziell.

Innovationskiller Demokratie

Warum verhindert Demokratie Innovation? Demokratische Verfahren erzeugen kollektive Irrtümer. Kurz gesagt: „Demokratische Gruppen“ sind nicht individuell und wandlungsfähig genug um aus Fehlern zu lernen. Keiner trägt die Verantwortung oder sucht einen Lösungsansatz! Kleinere Gruppen und einzelne Personen jedoch können individuell auf Irrtümer eingehen und daraus lernen. Sie lernen wie es anders besser funktioniert. Hier trägt jeder Einzelne die Verantwortung für sein Handeln. Wohland und Wiemeyer formulieren es so: „Demokratische Gremien haben keine Individualität und damit keine einheitliche Erwartung.“ Somit sind sie nicht lernfähig und können auch nicht innovativ sein.

Hinzu kommt, dass niemand die Verantwortung für demokratisch zustande gekommene Fehler und Irrtümer übernehmen möchte. Demokratische Strukturen fördern demnach eine Kultur der Verantwortungslosigkeit.

Zusammenfassend bringt die Demokratisierung in Unternehmen keine Wertschöpfung, sondern erzeugt Probleme.  Daher ist die Verwendung des Begriffes „Demokratisierung“ irreführend in Bezug auf das, was damit in der aktuellen Diskussion eigentlich gemeint ist.

Aber was ist denn damit gemeint?

Eigentlich ist mit dem demokratischen Unternehmen eine Unternehmensform gemeint, die ganzheitlich, selbstorganisiert und sinnerfüllt ist. Eine Unternehmensform, die Menschen durch Vertrauen dazu befähigt, Großes zu leisten. Menschen, die für ihr Handeln Verantwortung übernehmen, weil sie den Sinn und Zweck ihrer Tätigkeit verstehen und leben.

Frederic Laloux hat in seinem Buch „Reinventing Organisation“ viele Unternehmen beschrieben, die mit dieser Unternehmensform höchst erfolgreich auf dem Markt sind. Dabei benutzt er nicht den Begriff Demokratie. Er sagt im Gegenteil, dass das demokratische Prinzip des „wir diskutieren, bis alle einer Meinung sind“ der von ihm angestrebten „Ganzheitlichkeit“ (Wholeness) im Wege steht. Trotzdem ist auch Laloux gegen hierarchische Strukturen, aber er bricht sie ganz anders auf. Komplexität, sagt er, managen wir nicht mit klassischer Führung sondern über natürliche Hierarchien, die durch Wissen, Können, Erfahrung … entstehen. Dazu brauchen wir neue Formen für Zusammenarbeit, in denen Arbeitnehmer nicht nur 1/16tel ihres „Ich“ zur Verfügung stellen, sondern sich ganz einbringen können und wollen. Auf dieser Basis entsteht ein Konsens, der auch mehrheitlich getragen wird aber viel effektiver, einfacher und agiler ist. Sehen Sie die Eleganz des Unterschiedes?

Aber wenn es so einfach ist - warum reden wir immer wieder von der Demokratisierung der Unternehmen?

Leider hat sich dies eingebürgert, weil einige Spitzenmanager auf Konferenzen oder Buchmessen damit um sich werfen.

Aus Sicht der kognitiven Psychologie ist dadurch eine ganze Gesellschaft falsch geprägt worden. Durch die gesellschaftlich „gelernte“ Bedeutung des Wortes Demokratie werden unbewusst Assoziationen erzeugt, die im Unternehmenskontext nicht zutreffend sind. Deshalb sträuben sich Manager und Mitarbeiter gegen die „Demokratisierung“. Dennoch sehnen sie sich nach einer Arbeitswelt, die sinnstiftend, vertrauensvoll und selbstbestimmt ist.

Daher suche ich nach einer "Wortalternative", die diese neue Arbeitswelt zutreffend beschreibt.

Welchen Vorschlag haben Sie dazu?  

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