Der Pawlow‘sche Reflex des DGB zur Digitalisierung oder:

Hausfassade

Klar, Opposition ist einfacher, als selbst zu gestalten

#Industrie40, #Digitalisierung, #DigitalHR. Wenn ich derzeit Publikationen in Zeitschriften und Blogs verfolge, oder meine Timeline in Twitter oder Facebook durchschaue, sind das die Themen, mit welchen sich „alle“ beschäftigen.

Auch in unserer Blogparade #BeyondDigitalHR haben sich HR-Vordenker die Finger wund geschrieben, um den Unternehmern in den Hintern zu treten und nahezulegen, die Themen anzupacken. Meine Kollegin Lisa Maas hat in Ihrem Blogbeitrag uns alle aufgefordert nicht nur zu reden, sondern einfach zu machen.



Wen haben wir alle dabei vergessen? Wer hat sich aber auch selbst bei der Diskussion erst mal versteckt? Die Gewerkschaften!

Nachdem die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BdA) ihr Positionspapier zur Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt veröffentlicht hat, ist auch der DGB-Bundesvorstand wach geworden. Wie zu erwarten war, hat die Veröffentlichung des BdA sofort den Pawlow‘schen Reflex des DGB-Bundesvorstandes ausgelöst: Dieser hat kurze Zeit später einen Kommentar zum Positionspapier veröffentlicht.

Und was war Inhalt des Kommentars? Möchte man das Thema konstruktiv mitgestalten, Chancen nutzen und Risiken gemeinsam begegnen? Wenn das Ihre Erwartung ist, muss ich Sie enttäuschen – herzlich willkommen in der Realität! Im Vordergrund steht natürlich das Thema der Mitbestimmung. Aber hiermit ist nicht die Mitbestimmung auf Augenhöhe in der neuen Arbeitswelt gemeint, sondern die kollektive Mitbestimmung der Gewerkschaften und Betriebsräte. Wer gefährdet denn auch gerne seine eigene Existenzberechtigung…?

Viel griffiger ist das Argument der Arbeitszeit, mit welchem man bei Gewerkschaftsmitgliedern sofort Stimmung machen kann! Und so, aus meiner Sicht, geschehen. Aber der Reihe nach:

Der BdA hat unter anderem in seinem Positionspapier eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten gefordert, z. B. in dem Passus: „Um hier (Anmerkung: im Rahmen von zeitzonenübergreifender Kommunikation) mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden, sollte das Arbeitszeitgesetz deshalb von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden.

Gerade zur Arbeitszeitflexibilisierung und Arbeitszeitkonten hat der BdA seine Vorschläge auch in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sehr umfangreich erläutert und die Chancen für Home Office-Tätigkeiten, Teilzeit- und Vertrauensarbeitszeit aufgezeigt.

Was aber macht der DGB daraus? Auf die Vorschläge und Erläuterungen geht er gar nicht erst ein, sondern reduziert diesen Punkt auf den Satz „Regelungen zur täglichen Arbeitszeit nach dem Arbeitszeitgesetz sollen zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit aufgehoben werden.“ Warum sträubt man sich gegen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, obwohl diese aktuellem EU-Recht entsprechen würde?

Man wirft das Argument der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben mal in den Raum und meint hier noch engere Grenzen setzen zu müssen als bisher.

Was denn bitteschön heißt für den DGB die „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“?

Starres Festhalten an festen Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr, natürlich mit Präsenz an einem festen Ort?

Wie verträgt sich dies mit dem Anspruch meiner Kollegin Julia Janßen in Ihrem Blogbeitrag zu „arbeiten wann man will und wo man will“. Oder noch präziser laut einer Umfrage von XING: 64% der Befragten können sich nicht vorstellen, bei einem Unternehmen zu arbeiten, dass keine flexiblen Arbeitszeiten anbietet.

Ich erwarte hier nicht vom DGB, dass dieser den Vorschlägen des BdA kommentarlos zustimmt! Aber Opposition um jeden Preis? Nein, ich erwarte, dass man sich mit den Themen auseinandersetzt und selbst konstruktive Vorschläge macht, die den Ansprüchen heutiger Arbeitnehmer gerecht werden!

Aber vielleicht sehe ich das auch zu negativ, ich lasse mich da gerne überzeugen.
Sind Sie Betriebsratsmitglied oder Gewerkschaftsfunktionär und sehen das ganz anders? Sind Sie Unternehmer und Personaler? Wie geht ihr Betriebsrat mit dem Thema um?

Ich freue mich auf spannende Diskussionen.  

VEDA GmbH

Ihr Lösungsanbieter für HR Software & Services

Carl-Zeiss-Straße 14
52477 Alsdorf

E-Mail:   info@veda.net


Telefon: +49-2404-5507-0
Telefax: +49-2404-5507-2133

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok