Der Personaler – glücklich, aber bedeutungslos?

Der Personaler

Personalmanagement in Zeiten der digitalen Transformation

Wir wissen, wie das mit Trends so ist: Jeder Trend ruft einen Gegentrend ins Spiel. Angefangen von der Wirtschaftswoche, über das Manager Magazin bis hin zu diversen (Berater-)Blogs wurde in der Vergangenheit heftig auf die Personalerriege eingedroschen und – mich selbst eingeschlossen – die Spezies HR´ler deutlich in Frage gestellt.

Heute melden sich nun die „alles-ist-gut“-Versteher. Zugegeben, Personaler sind bei VEDA unsere wesentlichen Kunden, und manch einer fragt mich, ob es geschickt ist, die Daseinsberechtigung der eigenen Kunden in Frage zu stellen. Vordergründig haben es die „Versteher“ leichter – sich verbrüdernd mit den Personalern und die Botschaft rufend: Ihr macht einen tollen Job mit der Personaladministration, dem Einfangen der Betriebsräte und dem Managen des Personalabbaus; seid glücklich und zufrieden. Richtig – das stellt  auch niemand in Frage. Aber der Punkt ist doch: Das reicht nicht für die Zukunft. Wir tun uns, bzw. der Personalerriege, keinen Gefallen, wenn wir die Qualität von Personalarbeit auf Basis der heutigen Prozesse, Strukturen und Wertevorstellungen der Menschen festmachen.

Wir befinden uns in einer Phase des radikalen Umbruchs – aus der Industriegesellschaft wird die Netzgesellschaft. Egal, ob wir das Industrie 4.0 oder Digital (Business) Transformation nennen. Egal, ob wir vielleicht den Zug schon verpasst haben . Egal, ob es noch vereinzelte Romantiker gibt, die meinen mit neuen Gesetzen den digitalisierten Wettbewerb und Wandel aufhalten zu können. Wir müssen handeln. Jetzt.

Warum? Den Wandel hat Peter Wippermann, Gründer Trendbüro und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität, Essen in seinem Vortrag auf dem SAP-Forum für Personalmanagement sehr treffend zusammengefasst:

  1. Innovation: „Die entscheidenden Prozesse der Gegenwart sind nur verständlich, wenn man die Evolution der Medientechnologie versteht.“ Ich frage mich – sind wir schlau genug?
  2. Strukturwandel: „Alles was man abschließend beschreiben kann, wird Programm. Digitale Information verändert die Geschäftsmodelle und die Arbeitswelt.“ Ich frage mich – welche Jobs bleiben überhaupt noch?
  3. Wertewandel: „Selbstverwirklichung wird wichtiger als Pflichterfüllung. Eigenverantwortung, Selbstverbesserung und Sinnhaftigkeit motivieren.“ Ich frage mich – welche Rolle spielt Führung und in welcher Struktur?

Als Privatkonsument erleben wir diesen Wandel täglich. Den „Zusammenbruch“ der Old Economy. John Atkinson hat es treffend illustriert mit seiner Darstellung der analogen Welt, des „Outernets“.

Zurück zu den Personalern. Auch wenn ich kein Freund der US Army bin,General Eric Shinseki bringt es auf den Punkt: „Wenn Sie sich schon nicht mit Veränderungen anfreunden können, so wird Ihnen der Absturz in die Bedeutungslosigkeit noch weniger schmecken.“

In der Netzökonomie zählen Zusammenarbeit, Transparenz, Agilität und individuelle Lösungen. Und das vor dem Hintergrund weitestgehend digitalisierter Prozesse und Informationen. Dies betrifft Kunden, Technologien, Menschen und Strukturen. Eine Menge zu tun für HR. Das könnten ihre Themen sein:

Lernen:
Wir können auf das existierende Bildungssystem schauen und wissen, dass wir eine junge Generation von Talenten in der Arbeitswelt empfangen, die nicht vorbereitet ist auf diese Welt. „Wenn wir die Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern mit einem Ausbildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem unterrichten lassen, das im 19. Jahrhundert konzipiert wurde und sich seitdem nur graduell verändert hat, dann kann das so nicht funktionieren.“ – formuliert es der PISA-Koordinator Andreas Schleicher. Und dann gibt es – das ist die weitaus größere Zahl – eine ältere Generation in den Unternehmen, die Unterstützung braucht, um sich im digitalen Business zurechtzufinden. Der digitale Umgang mit Kunden, Mitarbeitern, Technologien und Strukturen will gelernt werden. Bildung wird zu einer Kernaufgabe von Unternehmen werden. Wollen Sie diese Weiterbildung aktiv gestalten?

Führungskräfte:
Der Wandel betrifft sie auch, die „Manager“. Eine Studentin des Personalmanagements sagte mir kürzlich, es wäre Aufgabe von HR bspw. für die Einarbeitung von Mitarbeitern zu sorgen, weil die Führungskräfte das nicht machen wollten. Hallo? Wollen Sie Ausputzer sein oder Gestalter? Dazu zählt auch gute Führung und schlechte Führung transparent zu machen und für Konsequenzen zu sorgen. Laut Development Dimensions International verlassen 57% aller Mitarbeiter ein Unternehmen aufgrund ihres Vorgesetzten. In der digitalen Wirtschaft bekommt das vor dem Hintergrund des Wertewandels nochmal eine völlig andere Dimension. Wollen Sie Führung neu gestalten?

Unternehmensstruktur und -kultur:
Wir müssen gar nicht das Hype-Thema der „Demokratisierung“ von Unternehmen strapazieren. Es geht schlichtweg darum, das Unternehmen so aufzustellen, dass es in der digitalen Welt bestmöglich funktioniert. Das hierarchisch pyramidale System von Kontrolle hat keine Zukunft mehr. Wollen Sie die Veränderung von Unternehmensstruktur und -kultur (Unternehmer im Unternehmen, Agilität, Kooperation, Open Innovation) gestalten?

Ich liebe unsere Kunden, die Personaler. Und ich möchte Sie noch lange behalten.

Deshalb möchte ich Sie wecken, auch wenn´s unbequem ist. Am liebsten sogar begeistern – für die neuen Chancen von HR. Natürlich ist für den ein oder anderen von Ihnen das Tagesgeschäft dringender und näher. Aber den Blick auf den Horizont zu richten und neue Ziele ins Auge zu fassen, gibt mitunter den entscheidenden Impuls für das, was (zukünftig) wichtig ist. Denn Bedeutungslosigkeit haben Sie nicht verdient und die können wir uns für unsere Wettbewerbsfähigkeit auch nicht leisten. Und kuscheln ist auch nicht so meins.

Wo befinden Sie sich auf dem Weg im Wandel? Schreiben Sie mir Ihre Meinung!

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