Ein Digital Immigrant auf der re:publica 2017

republica 2017

Ich war vom 08. bis 10.05.2017 auf der re:publica in Berlin (#RP17).

re:publica? Das ist doch dieses Festival für alle Nerds und Geeks, die einen Twitteraccount haben (folgen Sie mir eigentlich schon?) oder einen Foodblog betreiben, auf welchem sie ihr Abendessen aus dem Biomarkt posten. Generation "Ich mache was mit Medien"?

Das diesjährige Motto "Love Out Loud" hat sich für eine Welt ohne Hass, Gewalt und Ausgrenzung stark gemacht. Eine schöne Utopie für Gutmenschen? Oder entstanden aus einer realen Erkenntnis? Mehr dazu später.

republica 2017 Affenfelsen
Bildquelle: © Udo Meyer / VEDA GmbH

Auf dem sogenannten "Affenfelsen", einer Sitzlandschaft mit Dreifachsteckdosen für die mobilen Devices, sitzen zu jeder Zeit hunderte Besucher und hacken irgendetwas in ihre Smartphones, Tablets oder Laptops (Coolness-Apple-Quote übrigens > 90 %). Sowieso ist es normal, dass alle immer und überall auf ihre Geräte starren, Zusammenstöße auf den Gängen sind somit Alltag. Selbst in den Vortragssessions wird man aufgefordert, alles in den digitalen Äther zu schicken. Und so entstehen häufig spezielle Hashtags, unter welchen in Workshops collaborativ zusammengearbeitet wird (Beispiel: #verifyMCB). Und trotzdem (oder gerade wegen der vielen digitalen Anknüpfungspunkte?) findet jede Menge direkte Kommunikation statt: Jeder mit Jedem, über alle Alters- und sonstige Grenzen hinweg, immer und überall. Bei aller Kontaktfreudigkeit herrscht hier aber auch ein entspannter Workingspirit, im besten New Work-Sinne. So habe ich an den drei Tagen sowohl Fachvorträge, als auch politischen oder einfach unterhaltsamen Input genossen und tolle Menschen kennengelernt. Trotz der durchaus langen und anstrengenden Tage fahre ich motiviert und vor allem inspiriert von Berlin wieder weg.

Die re:publica in ihrer 11. Auflage ist zwischenzeitlich mit circa 9.000 Besuchern die weltweit größte Konferenz rund um die digitale Gesellschaft. Noch einige Zahlen zur re:publica: 1.030 Speaker aus 67 Ländern, davon 47 % weiblich. Während der drei Tage waren 11.000 Geräte im WLAN eingeloggt, es wurden über 7 TB (!) Daten übermittelt. Ach ja, weltweit haben 20.000 Twitterer 90.000 Tweets unter dem Hashtag #RP17 verbreitet, welche 508.000.000 Mal gesehen wurden. Die Größe und Reichweite der re:publica hat damit eine gesamtgesellschaftliche Relevanz, die man nicht unterschätzen sollte. Die Vortragsthemen reichten von

•    "Hands-on Verifikation: Social-Media-Inhalte überprüfen", über
•    "Make life easy (again)!? Was wollen wir uns von Technologie abnehmen lassen und zu welchem Preis?" bis hin zu
•    "Keine Angst vor Experimenten: Plädoyer für eine agile Arbeitspolitik".

(Alle Vorträge können Sie übrigens über YouTube anschauen)
Nicht vergessen sollte man das HR-Festival der IBM Deutschland, welches im Rahmen der #RP17 stattfand. Auch hier stehen die Vorträge online zur Verfügung.

Wie war das noch mit den Gutmenschen?

Im Gegensatz zu den Vorjahren haben die neuesten digitalen Hypes keinen großen Raum auf der #RP17 bekommen. Zumindest nicht, ohne sie kritisch hinterfragt zu werden. Diese kritische Haltung wurde in den Vorjahren vermisst und die Macher haben darauf reagiert. Glückwunsch!

Zusätzlich wurde das „Gutmenschentum“ im besten Sinne unterstützt. Folgerichtig war der Umgang mit „Hate Speech“ und „Fake News“ einer der Schwerpunkte der Veranstaltung, was ich auch für richtig und wichtig halte. Generell ging es um eine positive und aktive Gestaltung der, nicht nur digitalen, Welt. Die Presse hat über die #RP17 geschrieben: „Die re:publica ist erwachsen geworden.“ Genau so habe ich es auch wahrgenommen. Nicht die Technik stand im Vordergrund, sondern die Haltung zu und der Umgang mit dieser Technik. Auf den Punkt gebracht hat dies für mich Harald Schirmer beim HR-Festival: "Ich möchte gerne digital sein, ist eine Lüge“. Entweder man ist es, oder ist es nicht. Und mit „digital sein“ ist nicht Brainhacking im guten oder schlechten Sinne eines passiven „Digitalwerdens“ gemeint, sondern „Kompetenz, Sinn sowie eine reife und kritische Haltung gegenüber der Technik“.

screenshot tweet
Bildquelle: © Udo Meyer / VEDA GmbH

Was hat mein Erfahrungsbericht der #RP17 auf dem Corporate Blog von VEDA zu suchen?

Ich bin 46 und damit selbst bei wohlwollender Betrachtung kein Digital Native. Das Internet hat seine Relevanz erst erlangt, als ich bereits mitten im Berufsleben stand. Trotzdem gehe ich mit dem Internet offen um, nutze beispielsweise einige soziale Netzwerke sehr intensiv (Twitter), andere gelegentlich (Instagram), andere derzeit überhaupt nicht (Snapchat). Ob und wie intensiv ich eines dieser Netzwerke nutze, ist aber kein Zufall, sondern jeweils eine bewusste Entscheidung. Diese Entscheidung treffe ich nicht einfach auf Basis dessen "was man so hört", sondern ich versuche mich aktiv zu informieren (mit Fakten statt Meinungen) und probiere die Dinge wirklich und selber aus. Das ist für mich digitale Kompetenz! Digitale Kompetenz ist damit keine Frage des Alters, sondern ein Mindset von Offenheit, Verantwortung und Engagement. Bin ich also „digital“ (oder gar ein Gutmensch)?

Jedenfalls glaube ich, dass wir dieses Mindset von Verantwortung, Offenheit und Engagement nicht nur im Internet und/oder in den sozialen Netzwerken benötigen, sondern auch und vor allem in unserer Haltung gegenüber der Welt, beruflich und privat.

Gerade im beruflichen Umfeld hat sich Kommunikation stark verändert. Kunden, Kollegen und Geschäftspartner sitzen auf der ganzen Welt verteilt, Meetings finden online statt und Kommunikation muss asynchron funktionieren, da sich Termine nicht mehr zwingend koordinieren lassen.
Das ist immer noch neu für viele Menschen meiner Generation. Bei denen gehört zu einem Meeting immer noch ein gebuchter Konferenzraum, eine Kanne abgestandenen Filterkaffees und Kekse aus dem Discounter. Aufwachen! Diese Zeit ist vorbei! Kommunikation verändert sich aber auch, weil berufliche Fragestellungen komplexer werden und Dinge schneller passieren, Entscheidungswege und Hierarchien sich ändern. All dies geschieht natürlich im Zuge  der digitalen Transformation und so ist es nur natürlich, dass wir uns gleichermaßen ihrer Errungenschaften bedienen. So zum Beispiel auch ich (apropos Zug) :

Derzeit sitze ich im ICE von Berlin zurück von der #RP17. Ich schreibe diesen Text auf meinem iPad. Ich habe Mails beantwortet und geschrieben, Termine für die nächsten Tage per Handy koordiniert und mich mit Kollegen ausgetauscht, Urlaubsanträge meiner Mitarbeiter genehmigt und Umfragen via Collaboration in VEDA Horizon bearbeitet.

Loesungen Recruiting
Bildquelle: © VEDA GmbH / VEDA GmbH

In der digitalen Arbeitswelt kann ich arbeiten wann und wo ich will, auf der re:publica genauso wie im ICE (mit funktionierendem WLAN, wirklich!). Trotzdem bleibe ich ein freier Mensch und kann  mich entscheiden, iPad und iPhone (wegen Coolnessfaktor, Sie wissen schon) einfach abzuschalten und aus dem Fenster zu schauen. Und genau das tue ich jetzt. Tschüss, viel Spaß beim „digital sein“ und wenn Sie möchten, bekommen Sie hier auch etwas von der guten Stimmung ab, die ich aus Berlin mitnehme.

UdoMeyer republica 2017 UME
Bildquelle: © Udo Meyer / VEDA GmbH

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