Ein neuer „Modus colaboranti“ - darf ich mir den Begriff ausleihen?

Ein neuer Modus colaboranti

Beim NextACT in Köln kamen Rang und Namen aller 4.0 -Disziplinen zusammen

„Unternehmen brauchen keine Regeln, sondern nur einen klaren Fokus auf den Menschen und einen neuen 'modus colaboranti'“. Sagt Guido Bosbach und ich hoffe, er verzeiht mir, dass ich seine Formulierung für den VEDA-Blog ausleihe. Sie passt so schön, denn genau darum ging es letzten Freitag, am 19.2. im Kölner Bauwerk (tolle Location – engagiertes Team. DANKE) beim NextACT.



Winfried Felser – Ideenvervielfältiger, Impulsgeber und Netzwerker hatte zum NextACT gerufen und – nicht alle, aber – viele, so auch VEDA, waren seinem Ruf gefolgt. Wenn wir „4.0“ weiterdenken und die Disziplinen Arbeit, Industrie und Marketing zusammenführen, was kommt dabei raus? So oder ähnlich mag der Ansatz für NextACT gelautet haben, die „Dachinitiative für Transformation“, deren circa 100 Protagonisten am Freitag im (super umgesetzten) Barcamp-Stil erstmalig zusammentrafen. Der 19.2. war der Startpunkt einer Vernetzungsinitiative, die nichts Kleineres will, als die Zukunft von Deutschland auf Basis eines „360°-Kompetenznetzwerks“ aus Innovatoren, Wissenschaft, Verbänden, Medien, Theoretikern und Praktikern mitzuschreiben.

AndreaGoffart nextact3Bildquelle: © Andrea Goffart / NextACT

Dazu braucht man Experten, Fachwissen, klare Meinungen und auch eine große Portion Ego – all das fand (s)ich Vorort. Die Mischung macht´s – wobei manchmal ein bisschen weniger Meinung (und Ego) und ein bisschen mehr Vision und Tiefe gutgetan hätten. Klagen auf höchstem Niveau, selbstverständlich, denn bei einer picke-packe-vollen Agenda hat selbst das Prinzip der zwei (bald schmerzenden) Füße allenfalls 20 % der geballten Ideen, Meinungen, Praxisbeispiele aus den auf verschiedene „Boxen“ verteilten Sessions in meine Nähe gebracht. Daher werde ich mich noch mal an der Meinung anderer vergreifen und zitiere Jan C. Weilbacher,  Chefredakteur des Human Resources Manager: „Bei einer Veranstaltung auf der sich fast nur Menschen tummeln, die auf ihrem Gebiet als progressiv gelten, kann manche Äußerung auch mal radikal klingen. So zum Beispiel, wenn die Zerschlagung von VW für notwendig gehalten oder zur derzeitigen Situation der HR-Funktion konstatiert wird: 'Wir befinden uns in einer Phase schöpferischer Zerstörung von HR-Strukturen.' Die erste Aussage stammte am Freitag von Thomas Sattelberger, die zweite von Ralf Gräßler.“

Dieser, also „unser“ Ralf Gräßler, saß am Freitag mit Neu-FDP-Politiker und Alt- Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger, HR-Rockstar Professor Gunther Olesch (O-Ton Winfried Felser) und Leadership-Spezialist Walter Jochmann auf dem Podium. Mal nicht zur Lage der Nation, sondern zur Frage, ob HR zukünftig Kulturträger, Transformator oder Kollaborateur sein wird oder doch nur Personalverwalter. Mehr als ein „Unentschieden“ hat Moderator Erwin Stickling (Chefredaktion Personalwirtschaft) der illustren Runde nicht entlocken können. Vielleicht, weil wir mit den Modellen der Vergangenheit über die Zukunft von HR diskutieren, oder weil die Aufbruchsstimmung fehlt, wie Walter Jochmann sagte? Experte sein reiche eben nicht, das Business-Partner-Modell von Dave Ulrich sowieso nicht. HR als Kundenversteher brachte Gunter Olesch ins Gespräch und wurde – symptomatisch – missverstanden. Ne, ne, nicht der Kunde von HR, also der Mitarbeiter, sei gemeint, sondern der da draußen vor der Tür.

Auch im VEDA-Workshop zu #CollaborativeHR ging es um die Frage, wie weit Personaler sich eigentlich wirklich auf die Mitarbeiter (also ihre Kunden, siehe oben) einlassen. Zur These „CollaborativeHR - Kultur per Verordnung. Wer nicht mitmacht, ist raus“ hatten Britta Redmann und Ralf Gräßler eine Battle ausgerufen.

GesprächBildquelle: © Andrea Goffart / VEDA GmbH

Es diskutierten Heiko Büttner, Geschäftsführer Personal der Deutschen Bahn und Karl-Heinz Reitz, Leiter HR und Organisationsentwicklung bei Unitymedia, die vorab auch in eigenen Slots ihre bemerkens- und weiterdenkenswerten Ansätze für eine neue Personalarbeit vorstellten. Beide machten deutlich, dass es sie gibt, die Transformation der HR-Funktion und auch wenn „Kultur per Verordnung“ natürlich nicht funktioniert (wobei sich Heiko Büttner (scherzhaft?) wünschte, es möge doch manchmal möglich sein) so sah man doch mehr Grund für Aktion als für Resignation. Die von Professor Wolfgang Jäger (Noch ein Felser-O-Ton: „Jäger ist Kult“) eingeworfene These – „Personaler können/wollen keine Collaboration“ – entfachte im Workshop dann die Diskussion und brachte viele interessante Gedanken und Sichtweisen auf das Können und Wollen, das Müssen und vor allem auf das Selbstverständnis von HR. Fortsetzung folgt, denn unter dem Zeichen des anschließend verliehenen Collaborative-HR-Awards treffen wir uns spätestens auf der Messe Personal in Stuttgart alle wieder.

Gruppenfoto

Bildquelle: © Klaus Pohlmann / VEDA GmbH

Apropos wiedertreffen – der Grundstein ist gelegt, wie machen wir jetzt weiter, Herr Felser – wie multiplizieren wir die Transformation?

Ich bin gespannt und freue mich auf den nächsten Austausch, verbunden mit dem Wunsch, dem Interdisziplinären 4.0 – also dem Austausch zwischen Arbeit, Industrie und Marketing, beim nächsten Mal mehr Raum einzuräumen. Denn ich glaube, wir müssen noch viel übergreifender auf die Zukunft schauen und damit bin ich auch am Ende meines Beitrags wieder tief in der Tasche von Guido Bosbach: „Heterogenität bei guter Vernetzung, Kommunikation und viel Vertrauen zeichnet nicht umsonst Hochleistungsteams aus.“ (Allerdings kommt es selten vor, dass ich anderen das letzte Wort überlasse, daher …

… ein PS: Was war denn eigentlich mein Highlight, wurde ich gefragt? Ganz klar das neue Dream-Team Grabmeier/Langecker mit ihrer fröhlichen Liveschalte aus dem Silicon Valley.

Weitere Reviews gibt es hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Winfried Felser
Lars Hahn
Oliver Marquardt
Harald Schirmer

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