„Insourcing ist in“?

Insourcing ist in

Oder: „Anleitung zum Unglücklich sein“

In der letzten Woche hat mir eine Kollegin die Veröffentlichung der Sparkasse Aachen zum Thema Insourcing ist "In" geschickt. Der Tenor des Artikels: Nach der „Outsourcing-Welle“ in den 90ern holen viele Unternehmen Aufgaben zurück ins Unternehmen. Die aufgeführten Gründe: Bessere Qualität inhouse, weniger Abhängigkeit vom Lieferanten usw..



Beim Durchlesen stieg mein Blutdruck auf 180. Da mich die Aussagen dort ziemlich mitgenommen haben, möchte ich meinen Unmut einfach mal mit Ihnen teilen:

„Nach der Outsourcing-Welle in den 1990er-Jahren …“

Der Outsourcing-Trend in den 90ern gab es mit Sicherheit.  Seit diesem Zeitpunkt ist das Outsourcing immer mehr zur Normalform für den Umgang mit administrativen Prozessen geworden. Wenn ich mir hier den „Hype-Zyklus“ nach Gartner anschaue, haben wir das „Tal der Enttäuschungen“ (wir sourcen nach Indien und China aus) bereits lange durchschritten. Prozessdenken und Technologie bedeuteten für das Outsourcing den „Pfad der Erleuchtung“, so dass Verständnis der Outsourcingeignug von Prozessen und praktische Umsetzung Hand in Hand gingen. Wo stehen wir heute? Ganz klar auf dem „Plateau der Produktivität“, wobei dessen Endhöhe noch lange nicht erreicht ist. Wie Dr. Ralf Gräßler zuletzt in seinem Blog-Artikel geschrieben hat: „Wir kennen heute nicht alle Zukunftsthemen von HR.“

„… holen viele Unternehmen ausgelagerte Aufgaben zurück.“

Auf welcher Basis diese Behauptung fußt, erschließt sich mir in keiner Weise. Vielleicht geht es hier auch um „gefühlte“ Werte. Jedoch würde ich mir von einem Finanzinstitut hier mehr wünschen, als den Blick in die Glaskugel. Vielleicht ist dies aber auch nur begriffliche Inkompetenz, weil Begrifflichkeiten, wie „Cloud“ dort noch unbekannt sind. Der Outsourcing- und Cloud-Markt wächst seit etlichen Jahren stabil. Von einem Rückgang keine Spur. So beruft sich der Branchenverband bitkom für 2015 auf eine Prognose der Experton Group, welche alleine dem Cloud-Markt für Geschäftsanwendungen 2015 ein Wachstum von 39% voraussagt. Wo sieht der Autor hier die Gegenbewegung?

Sie sehen, alleine beim ersten Satz der Veröffentlichung könnte ich an die Decke gehen! Prognostiziert man bei der Sparkasse einfach eine Vielzahl von Trends nach dem Vorbild von Wahrsagern: „Irgendeiner wird schon zutreffen und am Ende wird über die anderen keiner mehr sprechen.“ Gerne denke ich hier noch an den „Weltuntergang“ am 21.12.2012 zurück oder erfreue mich am Wahrsager-Check der GWUP. Wenn wir Glück haben sehen wir die Sparkasse Aachen ja vielleicht auch beim „Goldenen Brett 2015“ wieder.

Es könnte aber auch sein, dass man sich einfach nur an einer selbsterfüllenden Prophezeiung im Sinne der „Anleitung zum Unglücklich sein“  von Paul Watzlawick versucht. Zugegeben eines meiner Lieblingsbücher.

Bevor ich hier aber noch mehr abschweife, möchte ich mich noch mit den vermeintlichen Vorteilen des Insourcing in der Veröffentlichung auseinandersetzen:

„Verloren gegangenes Know-how kehrt zurück“

Aha, Know-how kehrt also einfach mal so zurück? Ich dachte bisher immer Know-how sei das Zusammenspiel von Wissen und Erfahrung. Über das Know-how von Mitarbeitern der Sparkasse möchte ich hier keine billige Polemik verbreiten, immerhin habe ich selbst Anfang der 90er Jahre eine Ausbildung zum Sparkassen-Kaufmann gemacht. Aber der Aufbau von Erfahrung ist ein Prozess, welchen man durchleben muss. Hier gibt es keine Abkürzung!

Fehlendes oder aufgrund von Generationswechseln in den HR-Abteilungen schwindendes  Know-how in den administrativen Prozessen ist für viele unserer Kunden ein Treiber pro Outsourcing.

„Chance auf bessere Qualität“

Eine bessere Qualität selbst gewährleisten, ohne entsprechendes Know-how? Stelle ich mir schwierig vor. Know-how ist doch eine Voraussetzung, um komplexe administrative Prozesse, welche wie die Entgeltabrechnung in Deutschland von permanenten Gesetzesänderungen geprägt sind, selber durchführen zu können. Hier fehlen mir zwar die empirischen Daten, um die Qualität des gesamten Outsourcing-Marktes zu beurteilen, jedoch hat eine Studie mit unseren Kunden uns eine sehr gute Qualität bescheinigt. Ach ja, bevor hier jemand mit dem Argument kommt, diese ließe sich ja noch steigern: Qualität kann maximal 100 % betragen, mehr geht nicht! Soviel habe ich aus dem Mathematikunterricht noch behalten.

„Geringere Abhängigkeit von Lieferanten“

Klingt im ersten Moment gut. Aber macht diese immer Sinn? Was ist mein Kerngeschäft und damit meine Kernkompetenz? Hiermit verdiene ich als Unternehmen Geld und nicht mit administrativen Aufgaben. Aber vielleicht liegt hier auch der Hase im Pfeffer und es wurden nicht die richtigen Prozesse ausgelagert. In diesem Fall hat man einen Kardinalfehler des Outsourcing gemacht und muss sich nicht über Negativeffekte wundern. Hier kann ich nur auf einen Artikel in der ARBEIT UND ARBEITSRECHT aus 7/2012 verweisen, dessen Kernaussagen immer noch gültig sind.

Ach ja, vielleicht fällt dem ein oder anderen noch die Weisheit: "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott" ein.  Dieses plausibel klingende Wort aus dem Volksmund setzt klar voraus, dass man fähig ist, etwas zu tun, womit wir wieder bei Kompetenz und Qualität wären.

„Weniger Zeitaufwand für die Koordination mit Zulieferern“

Koordinieren ist aufwändiger als selber machen? Das Zeitalter der Arbeitsteilung scheint an der Sparkasse vorbeigegangen zu sein. Wie bei allen Prozessen, muss auch das Zusammenspiel von Kunde und Dienstleister klar geregelt sein. Nicht nur technische, sondern auch prozessuale Schnittstellen müssen definiert werden. Nur so kann ein harmonisches und vor allen Dingen wertbringendes Zusammenwirken entstehen. Dies sollte dann auch immer wieder betrachtet und nachgeschärft werden, denn nichts ist so beständig wie der Wandel.  Auch die Prozesse müssen immer wieder an die aktuellen Anforderungen angepasst werden.

„Volumen der Produktion kann kurzfristig angepasst werden“

Das bekäme ich gerne mal schlüssig erläutert. Ist dies nicht eines der Probleme in der deutschen und auch europäischen Wirtschaft? Politisch geprägte regulatorische Eingriffe von Gesetzgebern und auch Tarifparteien verhindern die notwendige Flexibilität in den Unternehmen.„Pay as you grow“ ist heutzutage in allen vernünftigen Outsourcingverträgen geregelt. Ist es doch Kerngeschäft der Anbieter flexible Strukturen zu schaffen, um Spitzen und auch reduzierte Kapazitätsanforderungen ohne Entlassungen und Kurzarbeit abzufedern.

Gegen Ende meiner Ausführungen bin ich hin- und hergerissen. Spiegelt die Veröffentlichung wirklich die Inkompetenz in Bezug auf das Outsourcing wider? Hat das Klientel der Sparkasse wirklich überwiegend negative Erfahrungen gemacht? Oder musste man einfach nur das „Sommerloch“ der Veröffentlichungen füllen?

Alles das zeigt mir nur, dass es noch immer ein gehöriges Informationsdefizit um die Ausprägungen, Vorteile, aber auch Grenzen des Outsourcings gibt.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Outsourcing geprägt? Positiv oder negativ? Haben Sie diese schon einmal in einem Review betrachtet? Oder sind Sie der Meinung, dass die Outsourcing-Anbieter hier noch mehr Best-Practice-Verfahren kommunizieren müssen?

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion!

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