Mehr Bauarbeiter als Schaufeln

(New) Work in Thailand

bangkok Seit fast 5 Monaten bin ich jetzt in Thailand und habe mittlerweile einen gefestigten Eindruck von der Thailändischen Kultur. Vor allem durch meine Kurse in der Uni aber auch durch ein Praktikum in Bangkok hat sich bei mir der Eindruck entwickelt, dass HR hier ganz anders tickt.

Zuerst einmal muss man sagen, dass der Mindestlohn in Thailand umgerechnet 7,37 € beträgt. Das hört sich zunächst sehr viel an, wenn man überlegt, dass der Mindestlohn in Deutschland erst im August auf 8,50 € festgelegt wurde. Der entscheidende Unterschied ist, dass der Lohnsatz für Thailand auf einen Tag und der für Deutschland auf eine Stunde festgelegt ist. Ein durchschnittlicher Praktikant eines deutschen Unternehmens verdient also in einer Stunde mehr, als ein Taxifahrer in Bangkok an einem Tag. Schon dieser Vergleich zeigt: Personal ist in Thailand viel weniger wert. Das führt dazu, dass man sich auf Bangkoks Straßen und in Restaurants häufig fragt: „Hätten dafür nicht auch ein Drittel der Mitarbeiter ausgereicht?!“ In Restaurants sind häufig mehr Mitarbeiter als Gäste und auf Baustellen finden sich mehr Arbeiter als Schaufeln. So zumindest mein (subjektiver) Eindruck. Bildung unmöglich? Fest steht, dass Bildung in Thailand nicht so einfach und allgemein zugänglich ist wie in den meisten europäischen Ländern. Zwar gibt es eine 9-jährige Schulpflicht, diese wird aber von vielen ärmeren Familien nicht eingehalten. Die Kinder gehen teilweise gar nicht zur Schule und haben ohne Bildung zwangsläufig keine Chance, einen Beruf zu erlernen. Häufig „erbt“ das Kind den Beruf der Eltern: Der Sohn des Taxifahrers wird Taxifahrer und die Tochter der Ärztin wird Ärztin. Provokant könnte man jetzt sagen: Wenn das Bildungsniveau so gering ist, ist die niedrige Bezahlung ja gerechtfertigt. Man muss sich aber ernsthaft fragen, ob eine Schulreform nicht sinnvoll wäre. Die teilweise extrem hohen Schul- und Studiengebühren machen umfassende Bildung unmöglich und lassen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufreißen. HR? Personal wird mitgebracht Die Globalisierung spielt natürlich auch in der asiatischen Geschäftswelt eine Rolle. So kann man zwar sagen, dass Thailand in vielen Punkten noch auf dem Stand eines Entwicklungslandes ist, der Einfluss der großen internationalen Unternehmen hat aber bereits eine Veränderung im Gang gesetzt. Nahezu alle europäischen und amerikanischen Großkonzerne haben ihre Büros im Geschäftsviertel Sukhumvit der Metropole Bangkok aufgeschlagen. Hier leben 16 Millionen Menschen auf engstem Raum. Man sollte man davon ausgehen, dass sich in dieser Masse auch qualifizierte Mitarbeiter finden lassen. Trotzdem bringen die meisten westlichen Unternehmen viele Mitarbeiter und vor allem die Führungskräfte aus dem Ausland mit. Wie kommt das? Gibt es wirklich so wenige qualifizierte Mitarbeiter? Meine (wiederum subjektiven) Thesen:

  1. Wenn man sich auf Bangkoks Straßen bewegt, muss man schon viel Glück haben, jemanden zu finden, der fließendes Englisch spricht. Diese fehlende Sprachkenntnis ist für internationale Unternehmen ein absolutes K.O. Kriterium.
  2. In Thailand spielt das Thema Karriere und Beruf noch lange keine so große Rolle wie in China, Japan und auch Südkorea. Nur wer aus einem guten Elternhaus kommt, hat eine Chance auf tiefgehende Bildung.
  3. Die Recruitmentsysteme sind in Thailand nicht so weit ausgebaut, wie in europäischen Ländern. Dadurch ist es für internationale Unternehmen einfacher, potenzielle Mitarbeiter über ihre vorhandenen Systeme zu suchen und diese dann mit ins Ausland mitzunehmen.

In Thailand spielt also das Thema HR und besonders das HR Management keine so bedeutende Rolle wie in Europa oder ist einfach noch nicht so weit entwickelt. Das kann sowohl daran liegen, dass es schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden. Der Grund kann aber auch sein, dass es, aufgrund der niedrigen Löhne, deutlich günstiger ist, Personal einzustellen und nach kurzer Zeit wieder zu entlassen. Wo Mitarbeiter so geringe Entlohnung erhalten, begeben sich viele Unternehmen in die Hire and Fire-Kultur. Ich sehe aber, dass auch in Thailand ein Wandel begonnen hat. Allerdings verändert sich das System nur sehr langsam. Wenn man sich die Zahlen von Universitätsabsolventen in Thailand anschaut, ist eine deutliche Steigerung zu sehen. Zudem kommen immer mehr Ausländer nach Thailand, die hier studieren, arbeiten oder Geschäfte machen wollen. (So wie ich!) Dieser internationale Einfluss ist für das Geschäftsleben des Landes sehr erfreulich. Und natürlich auch für die Besucher, also z.B. für mich. Ich habe mit der Thailändischen Kultur gelernt, mich in Geduld zu üben. Und ich habe erkannt, was für ein großes Potential der Thailändische Markt noch hat. viele Türen sind (noch) verschlossen. Wenn sich diese aber öffnen, könnte der hiesige Markt ein Schlüssel zu ganz Asien werden. Weihnachten zu Hause statt Jingle Bells bei 30 Grad Einen Tag vor meiner Abreise aus Bangkok kann ich sagen, dass ich mich jederzeit wieder für ein Auslandssemester in Bangkok entscheiden würde. Ich habe die Zeit hier wirklich genossen. Das Leben ist sehr verschieden von dem in Deutschland und häufig habe ich mich über Entscheidungen, Handlungen oder auch Aussagen sehr gewundert. Andererseits haben sie mich auch oft zum Lachen gebracht. Was antwortet man zum Beispiel, wenn ein „Ladyboy“ nach dem Abendessen ein herzförmiges Bonbon auf den Tisch legt und sagt: "You are so beautiful.“? Warum läuft bei 30 Grad Celsius an allen Bahnstationen White Christmas oder Jingle Bells? Wie können gefühlte 38.573.627 Verkäufer von Handy Cases ihren täglichen Umsatz erreichen? Das sind Fragen, auf die ich auch nach 5 Monaten noch keine Antwort gefunden habe. Haben Sie welche? Dann schreiben Sie uns doch! Bildquelle: © Justus Bennig

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