Sport und Performancemanagement - Austausch mit Tennisprofi Tomás Behrend

Tennisprofi Thomás Behrend

Was HR vom Spitzensport lernen kann

Nachdem wir hier schon den Zusammenhang zwischen Performance im Unternehmensalltag und im Sport beleuchtet haben, haben wir heute Tomás Behrend zum Gespräch eingeladen. Er hat sowohl für Deutschland im Davis Cup aufgeschlagen, als auch an den großen Grand Slam Turnieren teilgenommen. Mittlerweile betreibt Tomás seine eigene Tennis Academy in Alsdorf, in der er junge und talentierte Spieler zu ersten Erfolgen führt.



Lieber Tomás, lieber Dirk, schön dass Ihr Euch Zeit genommen habt.

1. Justus: Was haltet Ihr für die wichtigsten Eigenschaften, um in Euren Jobs erfolgreich zu sein?

Tomás: Die wichtigsten Eigenschaften, die man im Tenniszirkus mitbringen muss, sind Disziplin und die Gabe, Verzichten zu können. Disziplin ist besonders wichtig, weil man auf viele Kleinigkeiten achten muss. Eine besonders wichtige Rolle spielen meiner Meinung nach Ernährung und viel Schlaf. Viele Trainingseinheiten werden alleine gemacht, was auch eine ausgeprägte Selbstbeherrschung fordert. Außerdem muss man lernen zu verzichten. Zum Beispiel auf Partys. Viele gehen am Freitagabend aus, man selbst aber muss um 23 Uhr schlafen, weil man am nächsten Tag eine neue Trainingseinheit ansteht.

Dirk: Das kommt mir bekannt vor. Sowohl in einem früheren Leben als Leistungssportler als auch im Kontext meiner heutigen Aufgabe bei VEDA ist die Fokussierung auf das, was man tatsächlich erreichen möchte, eine wesentliche Komponente für Erfolg.

2. Justus: Was war die wichtigste Lektion, die Du in Deiner Laufbahn und auch aus Rückschlägen gelernt hast, Tomás?

Tomás: Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, dass man seinem Traum folgen und nicht zu viel auf die Meinung von anderen hören sollte. Wenn ich gemacht hätte, was viele mir geraten haben, dann wäre ich nie Tennisprofi geworden und ich hätte nicht die Chance gehabt, einen Beruf zu ergreifen, der mich glücklich macht. Wenn man ganz genau weiß, was man erreichen möchte, dann sind kleine Rückschläge einfach zu überwinden. Nur wer sich ein klares Ziel steckt, weiß wofür er jeden Tag aufsteht. Ich bin sehr froh, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte.

3. Justus: Hinter jedem Erfolg steht harte Arbeit, sowohl im Sport als auch im Berufsleben. Schafft Ihr es heute im Berufsleben, aber auch damals als aktive Sportler, jeden Morgen aufzustehen und sich auf Ball und Schläger bzw. Laptop und Bürostuhl zu freuen?

Dirk: Letztlich möchte jeder, ob Sportler oder Arbeitnehmer, dass sein Können und Wollen mit dem ‚Sollen‘ zusammenfällt. So wird ein Athlet nur gut, wenn er tut, was er tatsächlich liebt und sich deshalb laufend verbessern möchte. Nur so ist das immense Engagement und der erwähnte Verzicht zu leisten. Das ist die Basis für jegliches Profitum. Motivation kommt aus Neugier, Spieltrieb und Ehrgeiz. Das gilt in wesentlichen Teilen auch für das ‚normale‘ Berufsleben. Auch hier geht es darum, dass man mit dem Erbrachten das Soll erreicht, oder sogar übertrifft. Aus solchen Erfolgserlebnissen ziehe ich meine Motivation. Um dies zu erreichen, arbeite ich jeden Tag an mir.

Tomás: Tennis liegt mir einfach im Blut. Ich liebe diesen Sport, ich liebe es auf dem Tennisplatz zu sein. Meine Arbeit fühlt sich nicht als "Arbeit" an. Ich genieße es jeden Tag auf’s Neue den Schläger zu schwingen.

4. Justus: Trotz Provokationen, „Streitigkeiten“ und Auseinandersetzungen geht es sowohl im Sport als auch im Business häufig darum die Nerven zu behalten und Souveränität zu zeigen. Was sind Eure „Wundermittel“?

Tomás: Das Wichtigste ist, dass man sich im "hier und jetzt" bewegt. Wer es schafft, sich nur darauf zu konzentrieren, wird sich nicht über unwichtige Dinge ärgern. Das beherzige ich auch im „normalen Leben“. Und glaube mir, das macht das Leben viel entspannter und einfacher.

Dirk: Eine Kunst, die vermutlich jeden Lebensbereich und jede Lebensphase entspannt. Im Tennis ist vielleicht die Fokussierung auf sich (und den Gegner) wichtig und richtig. Im Business scheint mir der Vergleich zu Mannschaftssportarten wie Fußball passend. Hier kann man sich bei Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehen, sondern muss eine Lösung finden. Hierzu sind Methoden wie bewusstes Feedback oder auch Mediation sehr sinnvoll.

5. Justus: Für viele unserer Leser ist Dein Beruf ein Hobby, das gerne zum Ausgleich genutzt wird. Wie kommst Du in Deiner Freizeit zur Ruhe?

Tomás: Ich bin sehr gerne Zuhause mit meiner Familie. Da kann ich mich am besten entspannen. Ich gehe gerne ins Fußballstadion und bin BVB Fan, ich spiele sehr gerne Golf und fahre gerne Ski. –genug Möglichkeiten also mich zu entspannen.

Dirk: Die aktive Pause ist für den Sportler wie für den Berufstätigen die lohnende Erholung. Entspannung nach der Anspannung ist wichtig, heißt aber nicht ‚nix tun‘, sondern‚ etwas anderes (für mich selbst) zu tun. Das Stichwort ist hier Work-Life-Balance: Man sollte – trotz des Stress‘ im Berufsalltag – auf sich selbst und auch auf seine Kollegen achten. Wenn kein Ausgleich mehr vorhanden ist, kommt es leicht zur Gefahr eines Burnouts. Wenn man jedoch achtsam ist, seine Arbeit mit Spaß und Leidenschaft angeht und die Chemie im Team stimmt, ist alles im Lot :-)

6. Justus: Das Zusammenspiel von Familie und Beruf ist ein hochaktuelles Thema und stellt viele Unternehmen und Arbeitnehmer vor große Herausforderungen. Auch der Beruf eines Profisportlers nimmt viel Zeit in Anspruch. Ihr habt es trotzdem geschafft eine Familie zu gründen. Wie habt Ihr beides unter einen Hut bekommen?

Dirk: Eine ebenfalls sportliche bessere Hälfte ist nicht nur verständnisvoll(er), sondern teilt üblicherweise auch die grundsätzliche Einstellung, die den Typus (Profi-Sportler) prägt. Da die Familiengründung m.E. oft in die zweite Hälfte der sportlichen Karriere fällt, hilft beim Wechsel des Metiers sicherlich ein Arbeitgeber, mit einer familienfreundlichen Kultur und Infrastruktur, wie ihn z.B. Lisa und Michaela beschreiben . Es gibt immer Phasen, in denen der Fokus sich wandelt, d.h. Elternzeit oder Flexible Arbeitszeitmodelle sollten dies unterstützen.

Tomás: Das ist schon einen sehr schwieriger Spagat. Ich hatte das Glück, dass meine Frau auch sehr gut Tennis spielt, und, dass sie genau wusste, dass ich sehr hart trainieren muss, um meine Ziele zu erreichen. Sie hat mich immer unterstützt und gewusst, dass es nur so geht. Um eine Familie zu gründen, braucht man einen Partner, der 100% hinter einem steht und weiß, was zum Beruf dazugehört.

7. Justus: Hierarchien werden sowohl in der Berufswelt als auch im Sport immer flacher. Was denkt Ihr über den Leadertyp? Sind Führungspersonen nötig, oder kann auch ein Team mit flacher Hierarchie erfolgreich sein?

Tomás: Ich glaube, dass jedes Team einen Leader braucht. Einen, der, wenn es hart auf hart kommt, die Entscheidung trifft, welcher Weg eingeschlagen wird. Der Leadertyp muss natürlich auch ein Teamplayer sein.

Dirk: Mannschaften brauchen sicherlich einen Leader, der in kritischen Situationen den Weg weisen kann und mitreißt. Daneben sehe ich bei Individualsportlern aber auch den mündigen Athleten, der weiß, was er will und wie er sein Ziel erreichen will. Dies bedingt, wie im Job auch, ein gewisses Maß an Reife, Erfahrung und Eigenverantwortung. Dass auch er einen Sparringspartner oder Coach braucht bzw. ein Team, das seine Top-Leistung ermöglicht, versteht sich.

Vielen Dank Euch beiden für das spannende Gespräch.

Dir, Tomás, wünsche ich viel Erfolg für den weiteren Weg Deiner Academy, aber auch für Dich persönlich. Hoffentlich kannst Du Deinen Traum realisieren und wir sehen schon bald einen Deiner Schützlinge bei einem Grand Slam.

Und wir beide, Dirk, werden sicherlich noch das ein oder andere tolle Match im Büro veranstalten. 

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