Trinkt die „Generation Netzwerk“ Milchkaffee oder isst sie lieber Chips?

Schubladen Generation Netzwerk

Ein paar Anmerkungen zum Schubladendenken.

Wann wurden Sie geboren? Zufällig zwischen 1981 und 1990? Gratulation, dann können Sie sich der „Generation Netzwerk“ zugehörig fühlen, denn die ist gerade der „heiße Scheiß“ in den sozialen Netzwerken.

Geprägt wurde der Begriff übrigens schon 2010 und ist damit ein alter Hut. Er bezeichnet die Generation, die mit SchülerVZ und StudieVZ groß geworden ist. (Für die jüngeren Leser unter uns: Die VZ hatten mal mehr Mitglieder als Facebook heute, aktuell „gruscheln“ nur noch wenige.) Die in den Jahren 1981 bis 1990 Geborenen sind natürlich auch die „Generation Y“. Ob dieses „Y“ für „…Nachfolger von „X“ steht oder – wie manche sagen – für „why“, bleibt dem Betrachter überlassen. Wenn man diese Generation kulinarisch besetzen möchte, nennt man sie auch „Generation Milchkaffee“. Alternativ nutzt man auch „Generation Chips“ (Kennen Sie Garfield? Dann kennen Sie die „Generation Chips“). Gibt Ihnen der Kollege nichts von seiner Schokolade ab, können Sie natürlich einfach ein „Typisch, Generation me!“ ablassen.

Wurden Sie zwischen 1975 und 1985 in der ehemaligen DDR geboren, dann gehören Sie auch noch der „Dritten Generation Ostdeutschland“ an. Gleichzeitig überschneiden Sie sich vielleicht auch noch mit der „Null-Bock-Generation“, der „Generation Praktikum“ und der „Generation Snowflake“. Dass Sie ein „Digital Native“ sind, versteht sich bei allen nach 1980 Geborenen von alleine. Was haben Sie eigentlich gerade an? Dann sind Sie ja vielleicht auch ein „Hipster“?

Ich wurde übrigens 1970 geboren und bin damit Angehöriger der „Generation X“, der „Generation C64“, der „Generation Golf“, der „Sandwich Generation“ und ich bin natürlich ein „Digital Immigrant“.

Ich denke, Sie haben längst herausgefunden, was ich Ihnen mit dem oben Geschriebenen eigentlich sagen möchte: „Diese ganzen Schubladen sind Blödsinn!“

Die Generationen sind zum Teil vollkommen gegensätzlich besetzt und es gibt keine, in welche ich mich voll und ganz einordnen könnte (oder möchte). Ich wette, Ihnen geht es genauso, oder?

Aber gerade die Substanzlosigkeit macht die Generationen-Thesen so langlebig, sagt Organisationsforscher Marcel Schütz: „Je diffuser die Thesen, desto mehr Leute können mitmachen. Man muss unklar bleiben, um verstanden zu werden. Die hohe Kunst der Hype-Produktion besteht ja darin, mit vielen Worten wenig zu sagen.“ Wir sollten in diesem Kontext auch nicht vergessen, dass das Gerede über Generationen ganze Heerscharen von Speakern und Autoren ernährt. Und wenn ich mir einige davon anschaue, sind sie durchaus wohlgenährt.

Warum aber brauchen wir diese ganzen Generationen bzw. verschlingen jeden Artikel darüber und beklatschen die unzähligen Vorträge?

Ganz einfach, weil uns das Denken in Schubladen evolutionsbiologisch einfacher fällt. Wenn es im Gebüsch raschelt, wird das wohl ein Säbelzahntiger sein und wir rennen besser weg, wenn wir nicht gefressen werden möchten. Alle Menschen die damals nicht weggelaufen sind, haben nachfolgend keine große Rolle mehr für die Evolution gespielt.

Dumm nur, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt, wir aber trotzdem unserem Instinkt folgen und erst mal rennen. Wir rennen zwar nicht mehr davon, aber dafür jedem Trend oder selbsternanntem Trendsetter hinterher.

Wie sollten wir also stattdessen reagieren? Vielleicht mal nachgucken, was da raschelt im Blätterwald. Selbstdenken und Schubladen hinterfragen. Dieser Rat gilt allerdings nicht nur für Generationen-Schubladen, sondern für jede Verallgemeinerung, die eine Mauer zwischen „wir“ und „die da“ stellt. Wir sollten unser mit 1,5 Kilogramm im Vergleich zum Körpergewicht größtes Hirn aller Lebewesen nutzen. Denn damit haben wir auch den Säbelzahntiger überlebt. (Zumindest habe ich in letzter Zeit keinen mehr gesehen).

Verstehen Sie mich nicht falsch – es kann durchaus sinnvoll sein, einen Trend mithilfe eines Generationenbegriffs zu vereinfachen, um ihn beschreiben zu können. Ich bin nur einfach kein Schubladendenker und glaube, dass unser Interesse immer dem Menschen und nicht (s)einer Herkunft, Partei, Gruppe, Generation oder seinem Geschlecht gelten sollte.

In dem Moment, in dem ich über den Tellerrand meiner „Schublade“ (und der Schublade meines Gegenübers) hinausblicke, kann ich aktiv werden und Zukunft unabhängig von Generationen-Bashing gestalten. Denn eines ist sicher: Ich trinke gerne Milchkaffe, esse aber auch gerne mal eine Tüte Chips. Ich frage sehr oft nach dem „Warum“ und Schokolade finde ich auf den Schreibtischen meiner Kollegen komischerweise schon lange nicht mehr. Da sollten wir übrigens mal drüber reden …

VEDA GmbH

Ihr Lösungsanbieter für HR Software & Services

Carl-Zeiss-Straße 14
52477 Alsdorf

E-Mail:   info@veda.net


Telefon: +49-2404-5507-0
Telefax: +49-2404-5507-2133