Was Kindererziehung und Mitarbeiterführung gemeinsam haben

Mitarbeiterführung

Warum der Nachwuchs Führung neu definiert

Als Personalerin in Elternzeit beschäftige ich mich natürlich auch weiterhin mit Human Resources: mit den Allerkleinsten, quasi dem Mini-Nachwuchs. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass es viele Parallelen zwischen Kinder“erziehung“ und Mitarbeiter“führung“ gibt. Warum ich beide Begriffe in Anführungszeichen gesetzt habe, wird schnell deutlich.



Führung heutzutage

Die aktuell favorisierten Führungsansätze haben meiner Meinung nach nicht mehr viel mit Führen per se zu tun. (Führungsstile nannte man das mal, z. B. autoritäre, charismatische, kooperative Führung, transaktionale und transformationale, Laissez-Faire, Management by Objectives oder oder oder. Dazu gibt es ausreichend Literatur, Seminare, Trainer ...)

Den Mitarbeitern geht es heute hauptsächlich um ein respektvolles Miteinander, um Feedback auf Augenhöhe (also in beide Richtungen). Es geht darum, individuell betrachtet und behandelt (und entwickelt) zu werden. Von Führungskräften wird erwartet, dass sie auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen, sich mit ihm und seinen Bedürfnissen (seiner Motivation) beschäftigen, ihn fordern. Dabei ist es wichtig, dass er nicht unter- oder überfordert wird. Es gilt also, die richtigen Aufgaben, den richtigen Handlungsspielraum, die passenden Entwicklungsschritte und die notwendigen Ressourcen wie Materialen, Zeit, Know-how etc. zur Verfügung zu stellen. Eingreifen soll die Führungskraft nur dann, wenn der Mitarbeiter konkret um Unterstützung bittet oder wenn es Probleme gibt.

Natürlich ist dies von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich. Es kann aber auch bei ein und demselben Mitarbeiter abhängig von der Aufgaben- und Zielstellung variieren, wie viel Unterstützung und Handlungsspielraum er benötigt. Und manchmal hängt es auch von den aktuellen Lebensumständen ab (private Belastungen, Krankheiten …). Oder vom Entwicklungsstand, z. B. nach einer neuen Fortbildung / Schulung oder nach einer Versetzung / Beförderung. Es wird also schnell deutlich, dass es DEN EINEN richtigen Führungsstil nicht gibt. Weder für ein Unternehmen, eine Führungskraft noch für einen Mitarbeiter. Unternehmen sollten dies auch längst erkannt haben. Individuelles Agieren in der jeweiligen Situation unter Berücksichtigung ALLER Rahmenbedingungen ist gefragt und zeichnet erfolgreiche „Führung“ aus. Dabei ist die Vorbildwirkung der Führungskräfte unumstritten, insbesondere wenn es um das Vorleben von (Unternehmens-)Werten geht, die Art der Zusammenarbeit, den Umgangston und das Miteinander. Denn schließlich sind das die Grundlagen jeder Arbeitstätigkeit.

Und wie ist das bei Kindern?

Es ist nicht grundsätzlich anders. Auch hier gibt es viele verschiedene Wege, die sich Erziehungsstile nennen: autoritär, antiautoritär, anleitend, permissiv, Laissez-Faire ... . Man ist sich uneinig (und man streitet gern darüber), welcher der „Beste“ ist. Auch hier gibt die Literatur zahlreiche Informationen, z. B. in sog. Erziehungsratgebern. Interessanterweise ist nun auch hier eine  Tendenz in eine ähnliche Richtung wie bei der Führung zu erkennen. Die heutzutage vielfach bevorzugte Ausrichtung beinhaltet, jedes Kind als Individuum zu sehen, es respektvoll und gleichwürdig zu behandeln, seine Bedürfnisse zu erkennen und auch zu befriedigen. Das Kind darf seinen eigenen Weg finden, sich in seinem eigenen Tempo entwickeln, seine eigene Persönlichkeit entfalten. Und Eltern schaffen den Rahmen dafür und geben Hilfestellung. Möchte man Kindern Werte vermitteln, schafft man das nicht durch „anerziehen“ sondern dadurch, dass man die Werte im Alltag konsequent und authentisch vorlebt und somit als Vorbild für das Kind fungiert. (Blinde) Gehorsamkeit, Disziplinierung, Bestrafung und auch Belohnung sind nicht mehr erwünscht.

Das Kind bekommt Anerkennung dafür, was es IST und nicht dafür, was es GETAN (oder nicht getan) hat. Es wird auf die intrinsische Motivation abgezielt und diese gefördert. Extrinsische Motivation wird – wenn notwendig – nur reduziert und sehr ausgewählt angewendet (z. B. Belohnungssysteme). Wege und Lösungen werden gemeinsam MIT dem Kind gefunden und nicht fremdbestimmt alleinig von den Eltern vorgegeben. Um noch einen Schritt weiter zu gehen: Auch von ERziehung möchten einige nicht mehr sprechen (z. B. hier) sondern einfach davon, dass Eltern und Kind eine BEziehung eingehen, die von Respekt, Achtung und Bedürfnisorientierung geprägt ist. Vielleicht wäre also ERziehung über die BEziehung ein guter Weg?

Um Bedenken vorweg zu greifen: Natürlich gibt es Grenzen. Aufgabe der Eltern ist es, genau DEN Rahmen zu schaffen, der für das jeweilige Kind, den Entwicklungsstand und die Situation passend ist. Genau diese Sätze habe ich schon oft im Zusammenhang mit Führung gelesen. Was waren gleich noch mal die Aufgaben einer Führungskraft?

Ein Beispiel:

Genauso, wie es einem Kind sehr schwer fällt, wenn Eltern etwas durchsetzen wollen, nur „weil sie die Eltern sind und das jetzt so möchten“ („weil ich das sage“), obwohl das Kind das anders sieht. Genauso möchte ein Mitarbeiter eine Aufgabe nicht nur deshalb  durchführen, weil die Führungskraft „das jetzt so möchte und das jetzt nun mal so gemacht werden soll“. Natürlich gibt es beides in der Praxis, aber das Ergebnis fühlt sich für das Kind wie für den Mitarbeiter gleichermaßen weder gut an, noch ist es zufriedenstellend oder nachhaltig.

Und was hat das alles mit Human Resources zu tun und warum schreibe ich das hier in diesem Blog?

Die Kinder von Heute sind die Mitarbeiter von Morgen

Das ist mir klar geworden, während ich darüber nachdachte, warum mir vieles, was ich über “Kindererziehung“ lese, so bekannt vorkommt. Was bedeutet das? Es gibt Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen (und HR-Abteilungen :-) ), die schon heute daran arbeiten, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, wie ich es beschrieben habe. Es wird in Zukunft immer mehr Kinder geben, die so aufgewachsen sind. Kinder, die nicht mit Bestrafung diszipliniert und denen nicht Gehorsam gelehrt wurde.Ist man nun als Kind so aufgewachsen, entstehen daraus natürlich auch Ansprüche und Erwartungen an den zukünftigen Arbeitgeber.

Denn eines ist doch jedem klar: Wer bereits als Kind gleichberechtigt aufgewachsen ist, als Individuum behandelt wurde, wessen Meinung ernst genommen wurde und wer Anerkennung dafür bekam, WIE er ist und nicht dafür, WAS er geleistet hat, der wird sich als Mitarbeiter sicher nicht (auf Dauer) damit zufrieden geben, nur auf seine Leistung reduziert zu werden. Er möchte auch als individueller Mensch gesehen und behandelt werden.

Vielleicht ist also auch in der sich verändernden Kindererziehung ein Ansatz für die sich verändernden Anforderungen der Mitarbeiter zu suchen? Und daraus ergeben sich auch die veränderten Anforderungen an Führungskräfte? Was meinen Sie? Oder ist das zu weit hergeholt?

Ich selbst bin gerade in Elternzeit. Mein Kind hat also noch ein bisschen Zeit. Ich hoffe, dass viele Unternehmen zukünftig Wege finden werden, ein passendes Arbeitsumfeld für die sich ändernden Anforderungen der Mitarbeiter zu schaffen. Und, nun ja, die „Evolution“ der Generationen trägt von selbst ihren Teil dazu bei. Denn immerhin: Sind die Führungskräfte von Morgen nicht die Mitarbeiter von Heute? :-)

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